Bis zu 300 irakische Soldaten getötet: Schlacht um Bagdad steht bevor

Bis zu 300 irakische Soldaten getötet
Schlacht um Bagdad steht bevor

In einem Gefecht zwischen US-Truppen und der irakischen Armee bei Nadschaf südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bis zu 300 irakische Soldaten gefallen.

Reuters NASSIRIJA/NADSCHAF/BAGDAD. Berichte über Verluste bei den US-Streitkräften, die von den irakischen Einheiten mit Panzerfäusten angegriffen worden seien, lägen hingegen nicht vor, teilte ein Ministeriumssprecher am Dienstag in Washington mit. Nadschaf liegt rund 160 Kilometer von Bagdad entfernt.

Alliierte Truppen erreichen Verteidigungsring

Die USA wappnen sich derzeit für die entscheidende Schlacht um Bagdad. Dem Marsch in die Höhle des Feindes stehen Saddam Husseins Republikanische Garden und darunter vor allem die Medina-Division im Weg. Für den britischen Premierminister Tony Blair nähert sich ein "kritischer Augenblick", wenn die Alliierten auf einige der treuesten und tapfersten Anhänger des irakischen Machthabers treffen. Auch der pensionierte US-Oberst Gary Anderson sagt: "Dann werden wir wirklich wissen, woran wir sind." Mit intensiven Bombenangriffen auf irakische Elitetruppen vor Bagdad haben die Truppen der USA und Großbritanniens am Dienstag die Vorbereitung einer Offensive auf die irakische Hauptstadt begonnen.

Behindert durch einen heftigen Sandsturm rückten die Spitzen der US-Verbände bis auf knapp 100 Kilometer an Bagdad heran. Zwischen ihnen und der Stadt liegt nach Militärangaben die "Medina"-Division der Republikanischen Garde, eine als sehr schlagkräftig eingestufte Eliteeinheit von Präsident Saddam Hussein. Die US-Truppen müssen sich nach den Worten von US-Generalstabschef Richard Myers auf einen "harten Kampf" in den kommenden Tagen einstellen.

Großbritanniens Premierminister Tony Blair sagte, der Vormarsch der Alliierten in Richtung Bagdad verlaufe wie geplant, jedoch werde der Einsatz angesichts des irakischen Widerstands Zeit und Ausdauer brauchen. US-Präsident George W. Bush forderte unterdessen den Kongress auf, die beantragten zusätzlichen Mittel von knapp 75 Mrd. Dollar zur Deckung der Kriegskosten rasch zu bewilligen.

Bombenangriffe auch in Bagdad zu spüren

Das schwere Bombardement der Verteidigungsstellungen vor Bagdad war bis in die Stadt hinein zu hören und zu spüren. "Es sind wirklich schwere Angriffe", berichtete Reuters-Reporter Nadim Ladki. "Obwohl die Explosionen sich weit entfernt anhören, wackeln im Zentrum der Stadt die Häuser."

Blair sagte in London, der weitere Vorstoß auf Bagdad sei von vitaler strategischer Bedeutung. "Die Medina-Division ist unter heftigen Luftangriffen, auch wenn schlechtes Wetter die Aktion beeinträchtigt", ergänzte er. Bereits am Vortag hatte US-Generalmajor Stanley McChrystal gesagt, mit der Division "Medina" stehe und falle die Verteidigung Bagdads. Für Dienstag planten die Militärs nach eigenen Angaben 1400 Einsätze von Kampfflugzeugen, Ziele seien vor allem die Elitetruppen Iraks.

Stellungen werden zunächst ausgebaut

Nach Angaben aus britischen Armeekreisen sollen die von den USA angeführten Truppen vor Bagdad zunächst ihren Vormarsch unterbrechen. "Sie nehmen jetzt Position in dem Gebiet ein und konsolidieren dann zunächst den Nachschub", hieß es. Es gebe noch keinen Zeitrahmen für den entscheidenden Angriff auf Bagdad, den Militärstrategen als die härteste Schlacht dieses Krieges erachten. "Es kann eine oder zwei Wochen oder auch einen Monat dauern. Das wichtigste ist, dass es so wenig Verluste auf beiden Seiten gibt, wie möglich." Militärexperten hatten darauf hingewiesen, dass durch den raschen Vormarsch der Truppen in Richtung Norden die wichtigen Nachschubwege verletzlich seien.

Ein britischer Armeesprecher räumte ein, dass der Widerstand gegen die aus Süden vorstoßenden Alliierten durch das Fehlen einer Nordfront stärker ins Gewicht falle. Nach der Weigerung der Türkei, das Land als Aufmarschgebiet für eine Nordfront zur Verfügung zu stellen, müssten nun sehr viel mehr Soldaten aus dem Süden herangezogen werden. Dies stelle die Alliierten vor erhebliche logistische Probleme, weshalb es nun auch darum gehen müsse, zunächst den Nachschub zu sichern.

US-Konvoi kämpft sich über den Euphrat

Weiter südlich bei Nassirija kämpfte sich ein US-Konvoi geschützt durch Raketen- und Artilleriefeuer über den Fluss Euphrat durch und setzten die Fahrt Richtung Bagdad fort, geriet aber auch danach noch in einen Hinterhalt. Aus der Stadt, in der zwei Brücken den Euphrat und den Saddam-Kanal überspannen, berichtete Reuters-Reporter Sean Maguire, die US-Truppen seien unter Beschuss geraten, als sie den Konvoi durch die Stadt schleusten. Beim anschließenden Vorrücken auf Bagdad sah Maguire die Leichen von mindestens 30 Männern, die möglicherweise den irakischen Milizen zur Unterstützung eilen wollten. Die Männer waren in einem Bus und einem Auto etwa 20 Kilometer nördlich der Stadt offenbar bombardiert worden.

Die nach Norden vordringen Truppen wurden zudem von einem heftigen Sandsturm behindert. Reuters-Reporter bei den Truppen berichteten, zeitweise konnten sie nur fünf Meter weit sehen. Die Kolonnen kamen im Schritttempo voran. Auch in Bagdad waren die über die Stadt fliegenden Kampfflugzeuge nur zu hören, da Sand sowie Rauch aus den am Stadtrand in Flammen stehenden Ölgräben die Sicht erschwerten.

Umm Kasr nun angeblich unter Kontrolle

In der lange umkämpften südirakischen Hafenstadt Umm Kasr sind die Verteidiger nach britischen Angaben mittlerweile überwältigt, die Stadt sei unter Kontrolle. In Umm Kasr befindet sich der einzige irakische Tiefseehafen. Das erste Schiff mit Hilfsgütern für die hungernde und durstige Bevölkerung solle möglichst binnen 48 Stunden entladen werden.

Südlich der zweitgrößten irakischen Stadt Basra verhinderten die Truppen nach britischen Angaben den Ausbruch von rund 50 irakischen Panzern aus der Stadt. Die Panzer seien mit Hubschraubern angegriffen worden. Unklar war zunächst, ob Basra mit einem Häuserkampf erobert oder belagert bleiben solle. Nach widersprüchlichen Aussagen zuvor sagte der Sprecher des Central Command für die Golf-Region in Katar: "Wir gehen nicht nach Basra hinein." Basra sei lediglich zu einem militärischen Ziel erklärt worden.

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