Bis zu 42 000 Insolvenzen: Creditreform erwartet neuen Pleiterekord

Bis zu 42 000 Insolvenzen
Creditreform erwartet neuen Pleiterekord

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sieht 2003 weiter kein Ende der Pleitewelle deutscher Firmen.

Reuters BERLIN. "Wir rechnen mit 40 000 bis 42 000 Unternehmensinsolvenzen", sagte der Creditreform-Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl am Mittwoch in Berlin und bekräftigte damit frühere Prognosen. Im Vorjahr gingen knapp 38 000 Firmen in das Insolvenzverfahren. Den dadurch entstandenen Schaden bezifferte Rödl auf rund 40 Milliarden Euro. 600 000 Arbeitsplätze seien verloren gegangen. Ein Grund für die düsteren Aussichten im laufenden Jahr sei die anhaltend schwache Entwicklung des Mittelstands. Der Frühjahrsumfrage Creditreforms unter knapp 5000 Betrieben zufolge ist die Lage nach wie vor angespannt. "Eine Trendwende ist nicht in Sicht", betonte Rödl.

Wie im Vorjahr gab fast jeder zweite Betrieb laut Creditreform Umsatzrückgänge binnen Jahresfrist an. Lediglich 13 Prozent der Firmen berichteten von steigenden Erlösen, im Frühjahr 2002 waren es noch gut 19 Prozent. Die Erwartungen für die nahe Zukunft seien dramatisch eingebrochen, teilte Creditreform mit. Der Anteil von Unternehmen mit höheren Umsatzerwartungen habe sich auf 16,3 Prozent halbiert, jeder dritte Mittelständler rechne mit rückläufigen Einnahmen. Allerdings beobachtet Creditreform zugleich eine Stabilisierungstendenz bei der Mehrheit der Betriebe. "Vielleicht bildet sich hier ein Boden", sagte Rödl.

Umfrage: Firmen stellen weniger ein und investieren weniger

Die trübe Stimmung wirkt sich auf die Beschäftigung aus. Der Anteil einstellungsbereiter Betriebe ging der Umfrage zufolge um 3,4 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent zurück. Um gut zwei Prozentpunkte auf 33,6 Prozent erhöhte sich hingegen der Anteil an Firmen, die Arbeitskräfte entlassen müssen. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen geht von einem stabilen Beschäftigungsstand aus. Die verhaltenen Erwartungen drücken sich auch in rückläufigen Investitionsplänen des Mittelstands aus. "Die Investitionsbereitschaft erreicht einen neuen Tiefpunkt", schätzte Rödl. Nur 32,2 Prozent der Befragten seien in den kommenden sechs Monaten zu Investitionen bereit, im Gegensatz zu 38 Prozent vor Jahresfrist.

Für bedenklich hält Rödl vor allem die Eigenkapitalsituation der mittelständischen Unternehmen. Lediglich knapp 18 Prozent der Betriebe verfügten über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent und gelten damit als solide. Über ein Drittel der Firmen müssten mit weniger als zehn Prozent der Bilanzsumme an Eigenkapital auskommen und wären damit unterkapitalisiert. Rödl begrüßte Vorschläge des saarländischen Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU), die Körperschaftssteuern für einbehaltene Gewinne solange zu erlassen, bis die Unternehmen eine Eigenkapitalquote von 25 Prozent erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%