Bis zum 2000er Rekordergebnis war es ein langer Weg
VW-Chef Piech rauscht mit Rekorden Richtung Ruhestand

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Ferdinand Piech hat den Konzern aus den roten Zahlen zu Rekordergebnissen geführt. Sein anvisiertes Ziel, die Umsatzrendite auf fünf bis sieben Prozent zu steigern, könnte 2001 erreicht werden.

dpa WOLFSBURG. Ferdinand Piech steht vor einem Problem. "Normale" Rentner widmen sich im Ruhestand verstärkt ihrem Hobby. Wenn der VW-Chef irgendwann 2002 in den Ruhestand geht, muss er vom größten Hobby Abschied nehmen: "Autos bauen", nannte der 64-Jährige im "Zeit"-Interview als sein Steckenpferd. Doch bis zum Ausstieg als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG hat Piech neben seinem Hobby in Wolfsburg noch eine Menge Arbeit vor sich. Schließlich gilt es, sein fast fertiges Denkmal noch auf Hochglanz zu polieren.

Bis zum jetzt vorgelegten 2000er Rekordergebnis "mit Goldrand" war es ein langer Weg. Als Piech 1992 das Lenkrad bei VW übernahm, rollte jeder in Wolfsburg gebaute Golf das Unternehmen tiefer in die roten Zahlen. Auf dem Höhepunkte der Krise 1993 wies der Konzern fast zwei Milliarden DM Verlust aus. Zehntausende Arbeitsplätze waren in Gefahr.

Der "Vollstrecker" Piech handelte. Mit Jose Ignacio Lopez heuerte er einen abwechselnd "Kostenkiller" oder "Sparkommissar" betitelten Top-Manager für das Leck geschlagene Schiff an.

Tief gehende Sparprogramme, ein wegweisendes Arbeitszeitmodell und die Initialzündung für das jetzt sichtbare Modellfeuerwerk dichteten die Lecks ab.

Doch gleichzeitig hatte sich Piech mit Lopez eine neue Krise an Bord geholt. Der vom Konkurrenten General Motors (deutsche Marke Opel) abgeworbene "Spion" soll Geheimpapiere mit zu VW gebracht haben. Ende 1996 hatte VW deshalb ein Image, "als sei das Unternehmen eine Art von krimineller Vereinigung", wie die "Neue Presse´" (Hannover) schrieb.

Vom "Kriegsherrn" zum visionären Industriekapitän

Doch auch hier gelang nicht zuletzt durch den neu verpflichteten Kommunikationsvorstand Klaus Kocks über die Jahre die Wende: Weg vom Bild des "Kriegsherrn" hin zum visionären Industriekapitän. Dazu passte der Kauf weltberühmter Marken wie Lamborghini, Bugatti, Rollce-Royce/Bentley ebenso wie der Einstieg beim robusten skandinavischen Lkw-Hersteller Scania.

Als erster Ingenieur des Konzerns mit "Benzin im Blut" trieb Piech zudem technische Top- Projekte wie das Drei-Liter-Auto an. Und der Enkel des legendären Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche ließ seinen eigenen Käfer bauen: Der Retro-"Beetle" führte VW in den USA zurück zu altem Ruhm.

Schließlich setzte Piech mit Stahl, Stein und ganz viel Glas auch noch längere Zeiten überdauernde Meilensteine in die VW-Landschaft: Die "Autostadt" in Wolfsburg als Erlebniswelt und die gläserne Manufaktur in Dresden als begehbare Edelschmiede von Luxuskarossen.

Anvisierte Umsatzrendite trotz Rekordergebnis noch nicht erreicht

In der verbleibenden Zeit als Wolfsburger König wird Piech nun mit Hochdruck daran arbeiten (lassen), dass seine Finanz-Prophezeiungen Wirklichkeit werden: Schon zu 93er Krisenzeiten hatte er verkündet, 1997, zum Ende seiner ersten Amtszeit, vor Steuern mehr als sechs Milliarden DM verdienen zu wollen. Das gelang leicht verspätet erstmals 1998, dem bisherigen VW-Rekordjahr. Doch für die damals anvisierte Umsatzrendite von fünf bis sieben Prozent reichte es selbst im neuen Rekordjahr 2000 bei 167,33 Milliarden DM Umsatz und 6,78 Milliarden DM Vorsteuergewinn bisher nicht.

Das soll nun als Krönung im Geschäftsjahr 2001 gelingen, auch wenn der "Ausblick für VW nur auf dem Papier rosig ist", so das "Handelsblatt".
Denn die US-Boom-Gewinne dürften nicht mehr sprudeln wie gehabt, der Heimatmarkt Deutschland erholt sich nur langsam.

Positiv zu Buche schlagen das Dauerprogramm zur Kostensenkung und der Lohndeckel durch den bis Ende September 2002 laufenden Tarifvertrag. Außerdem ist die Milliarden-Rückstellung für die Altauto-Verordnung schon 2000 verdaut. Zudem dürfte VW bei Bilanzierung nach dem internationalen IAS-Standard bei der Umsatzrendite etwa 1,5 Prozentpunkte gewinnen. So könnte die Punktlandung bei 6,5 Prozent gelingen.

Piechs Forderung an den Nachfolger steht jedenfalls fest: "Er soll besser sein als ich. Das ist relativ einfach, nicht?" sagte er im "Spiegel"-Interview. Ob das stimmt, wird sich zeigen, wenn Piech im Ruhestand ist und, wie mehrfach angekündigt, mit seiner Familie um die Welt segelt. Aber vielleicht widmet er sich zwischendurch auch weiter gelegentlich seinem Hobby. "Autos bauen" kann man schließlich auch als Aufsichtsratsvorsitzender.

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