Bis zum Abend wählten 68 Prozent
Hohe Beteiligung bei Stichwahl in Frankreich

Bei der Präsidentenwahl in Frankreich ist am Sonntag die Wahlbeteiligung offiziellen Angaben zufolge im Vergleich zur ersten Wahlrunde um fast zehn Prozentpunkte gestiegen. Der konservative Amtsinhaber Jacques Chirac dürfte die Wahl deutlich gewinnen.

Reuters - PARIS. Bei der Präsidentenwahl in Frankreich ist am Sonntag die Wahlbeteiligung offiziellen Angaben zufolge um rund neun Prozentpunkte höher gewesen als am Nachmittag der ersten Wahlrunde. Das Innenministerium teilte mit, um 17.00 Uhr - drei Stunden vor Schließung der letzten Wahllokale - habe die Beteiligung bei 67,6 Prozent gelegen (vor 14 Tagen 58,55 Prozent). Damit war sie auch etwas höher als bei der Stichwahl 1995.

41 Millionen Franzosen waren am Sonntag aufgerufen, sich zwischen dem konservativen Amtsinhaber Jacques Chirac und dem rechtsradikalen Politiker Jean-Marie Le Pen zu entscheiden. Umfragen haben einen deutlichen Wahlsieg Chiracs vorausgesagt. Die niedrige Wahlbeteiligung am 21. April galt als einer der Gründe für den Erfolg Le Pens, der den sozialistischen Ministerpräsidenten Lionel Jospin für viele überraschend aus dem Rennen geworfen hatte.

Meinungsforscher sagten eine große Mehrheit von bis zu 82 Prozent der Stimmen für Chirac voraus, nachdem sich auch politische Gegner wie Sozialisten und Kommunisten hinter ihn gestellt hatten, um Le Pen als Präsidenten zu verhindern. Der 73-jährige Kandidat der Nationalen Front hatte in seinen Wahlkampf die Angst vor steigender Kriminalität und Überfremdung geschürt.

Le Pen zeigte sich bei der Stimmabgabe gut gelaunt. Er gab seinen Wahlzettel in einem Pariser Vorort ab, wo die Nationale Front ihren Hauptsitz hat. "Mein Prinzip ist es, optimistisch zu sein, bevor man sein Schicksal erfährt", sagte der 73-Jährige. Chirac posierte in Begleitung seiner Frau Bernadette bei der Stimmabgabe für die Kameras, äußerte sich jedoch nicht vor Journalisten. Er wählte im zentralfranzösischem Departement Correze.

"Ich habe heute für Chirac gestimmt, weil es keine andere Wahl gab", sagte ein 30-jähriger Komponist nach der Stimmabgabe in Paris. Es sei das erste Mal gewesen, dass er für die Konservativen gestimmt habe: "Und das macht mich krank." Eine junge Frau sagte, wenn Le Pen mehr als 40 Prozent bekomme, wäre das eine Tragödie. Hunderttausende Gegner Le Pens hatten in den vergangenen beiden Wochen gegen dessen Wahlerfolg demonstriert.

Am Wochenende riefen auch die führenden Tageszeitungen des Landes zur Wahl Chiracs auf. Die linke Tageszeitung "Liberation" war am Tag nach der ersten Runde mit der riesigen Schlagzeile "Nein" erschienen und titelte nun über einem Wahlzettel für Chirac: "Ja". Der konservativere "Figaro" brach mit seiner Tradition, keine Wahlempfehlung zu geben und rief unter der Überschrift "Für Frankreich" zur Wahl Chiracs auf. Die Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" rief zu einer "Wahl für die Republik, für Demokratie und gegen Extremismus" auf. Im Juni bei der Wahl zur Nationalversammlung entscheidet sich, ob der neue Präsident ein Kabinett seiner Wahl bilden kann oder sich abermals in der "Cohabitation" genannten ungeliebten "Zwangsehe" mit einem Ministerpräsidenten aus dem gegnerischen Lager wiederfindet.

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