Bischöfe einigen sich auf Richtlinien
Katholische Kirche will gegen sexuellen Missbrauch vorgehen

Die katholischen Bischöfe haben sich mit einer gemeinsamen Richtlinie auf ihr Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche geeinigt.

ddp FULDA. Die katholische Kirche will entschlossen gegen sexuelle Gewalt durch Geistliche vorgehen. Es müsse alles getan werden, um dem Missbrauch Minderjähriger stärker entgegenzuwirken und Wiederholungstaten zu vermeiden, heißt es in Leitlinien, die die deutschen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda einstimmig beschlossen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, sagte am Freitag, er hoffe, dass durch diese Leitlinien eine größere Transparenz im Umgang mit Missbrauchsfällen entstehe und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werde. Die kirchlichen Würdenträger äußern zugleich ihr "tiefes Bedauern", dass in der Vergangenheit häufig unangemessen auf Missbrauchsfälle reagiert worden sei.

Die Leitlinien sehen unter anderem vor, dass in den Diözesen Ansprechpartner beauftragt werden, um Missbrauchsvorwürfe zu prüfen. Bei erwiesenen Vergehen würden die Täter unabhängig von einer Verfolgung durch das Zivilrecht auch kirchenrechtlich bestraft. In Einzelfällen sei eine Entlassung aus dem Klerikerstand vorgesehen. Diese Möglichkeit sei auch bei Jahre zurückliegenden Fällen nicht ausgeschlossen, fügte Lehmann hinzu. Den Opfern und ihren Angehörigen soll psychologische Hilfe angeboten werden. Die Täter müssten sich einer Therapie unterziehen. Nach Verbüßung ihrer Strafe werde ihnen keine Aufgabe in Verbindung mit Kindern und Jugendlichen mehr übertragen, hieß es.

Ein explizites Schmerzensgeld lehnen die 68 Bischöfe aber ab. "Ich glaube, wir sind nicht befugt, Schmerzensgelder aus Kirchensteuermitteln zu zahlen", sagte Lehmann. Der Kardinal rechnet derweil damit, dass "jetzt, wo das Tabu gebrochen ist, über Missbrauch zu reden, sich noch weitere Opfer melden werden". Schätzungen von katholischen Laienorganisationen und unabhängigen Wissenschaftlern, wonach es in Deutschland 300 pädophile Priester gebe, stießen bei Lehmann auf scharfe Kritik. Der Kardinal sagte, es sei "unverantwortlich", die Situation in der katholischen Kirche der USA auf Deutschland zu übertragen.

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