Bisher erst zwei Produkte im Angebot
Zertifikate bieten Alternativen zu offenen Immobilienfonds

"Betongold" boomt: Angetrieben durch die hohen Verluste am Aktienmarkt flüchten derzeit viele Investoren in offene Immobilienfonds. Diese erwerben Grundstücke und gewerbliche Gebäude vorzugsweise in Innenstadtlagen.

HB DÜSSELDORF. Allein im Mai verfügten diese Fonds über ein monatliches Mittelaufkommen von 838 Mill. Euro - so viel wie keine andere Fondskategorie. So mancher Manager weiß dabei nicht mehr, wie er die hohen Mittelzuflüsse anlegen soll. Am Markt ist zu hören, dass aus so manchem Immobielenfonds ein halber Geldmarktfonds wird - irgendwo müssen die Gelder schließlich geparkt werden.

So mancher Anleger fragt sich allerdings, ob er dafür die hohen Aufgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent gezahlt hat. Als Alternativ-Investment bieten sich Immobilienzertifikate an. Sie sind in der Regel preiswerter und ständig zu 100 % im Markt investiert.

Allerdings sind bisher lediglich zwei Produkte auf dem deutschen Markt im Angebot (siehe Tabelle). Im Gegensatz zu Immobilienfonds investiert der Anleger bei ihrem Kauf nicht in Haus und Grund sondern in Immobilienaktien. Als Grundlage dient beiden Produkten dabei der EPRA-Index, der die Wertentwicklung von rund 80 europäischen Immobilien-Unternehmen aus 15 Ländern abbildet. Seit Jahresbeginn verzeichnete der Index ein Plus von 10 %. Zum Vergleich: Der Euro Stoxx 50-Index verlor 19 %.

Die Produkte unterscheiden sich in der Auswahl der Aktien: Merrill Lynch bildet mit ihrem "Europa Immobilia" den Index exakt ab. Dies führt dazu, dass hier britische Gesellschaften zu über 50 % vertreten sind, was gewisse Risiken birgt. "Besonders der wichtige Immobilienmarkt in London wird schwieriger werden", sagt Nick Tyrell, der bei DB Real Estate den europäischen Immobilienmarkt analysiert.

UBS Warburg konzentriert sich mit ihrem "Europa Top 15 Immobilien" auf die 15 Werte mit der höchsten Marktkapitalisierung gemessen am Streubesitz, was zu einer niedrigeren Gewichtung der Briten führt. Außen vor bleiben Unternehmen, die selber Immobilien entwickeln. "Dieses Geschäft halten wir für einen Tick zu riskant", sagt Zertifikatsexperte Werner Humpert von UBS Warburg. Unterschiede gibt es auch in der Anrechnung der Dividenden. Während der Investor bei UBS ungefähr die Hälfte der Ausschüttungen erhält, geht er bei Merrill Lynch leer aus. Das UBS-Papier ist zudem gegen Währungsschwankungen gesichert.

Das Zertifikateangebot dürfte bald breiter werden: Einige Anbietern wollen demnächst Immobilienzertifikate auf US-Immobilienindizes auf den Markt bringen. Nach Meinung von Experten wären solche Produkte sinnvoll. "Bei Immobilien gilt wie bei Aktien: Eine möglichst breite Streuung bringt den größten Erfolg", sagt Tyrrell.

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