Bisher noch kein "feindliches" Angebot
Übernahmeangebot für die Londoner Börse

Die LSE, die mit der Deutschen Börse AG fusionieren will, lehnte die unerbetene Offerte umgehend als unpassend ab. Börsen-Aufsichtsratsmitglied Herbert Bayer schloss den Beginn einer "Übernahmeschlacht" nicht aus.

Reuters LONDON. Der schwedische Finanzmarktbetreiber OM Gruppen hat am Dienstag wie erwartet ein Übernahmeangebot für die London Stock Exchange (LSE) vorgelegt und damit möglicherweise den Startschuss für einen Bieterstreit um die Londoner Börse gegeben. Die LSE, die mit der Deutschen Börse AG fusionieren will, lehnte die unerbetene Offerte umgehend als unpassend ab. Die Deutsche Börse wollte in der Sache zunächst keine Stellungnahme abgeben. Ihr Aufsichtsratschef Rolf Breuer deutete jedoch in einem Zeitungsinterview an, dass die Frankfurter Börse im Falle eines feindlichen Übernahmeversuchs für die LSE ein Gegenangebot für den Fusionspartner vorlegen könnte. Börsen-Aufsichtsratsmitglied Herbert Bayer schloss gegenüber Reuters den Beginn einer "Übernahmeschlacht" nicht aus.

OM Gruppen hatte bereits am Freitag ein Übernahmeangebot für die LSE in Aussicht gestellt. Der Eigentümer und Betreiber bietet nach eigenen Angaben vom Dienstagmorgen 0,65 eigene Aktien und sieben Pfund je LSE-Papier. Dieses Angebot entspreche einer Prämie von 15,7 Prozent im Vergleich mit dem LSE-Kurs am 25. August und bewerte die Londoner Börse mit insgesamt elf Milliarden Kronen (umgerechnet 2,5 Milliarden DM). Wenn die Aktionäre der LSE das Angebot akzeptierten, würden sie 18,5 Prozent am erhöhten Kapital der OM Gruppe halten. Die OM Gruppe wolle einen Markt für alle großen europäische Aktien schaffen. Die Offerte ist bisher nur ein formales, aber noch kein "feindliches" Angebot. Das Angebot gelte nur im Falle der Annahme von 90 Prozent der LSE-Eigentümer, erklärte OM Gruppen.

Die LSE wies die Offerte aus Stockholm zurück. "Die Antwort ist die gleiche wie am Freitagabend, als wir das Angebot ablehnten", sagte eine LSE-Sprecherin. "Wir betrachten es aus finanziellen sowie geschäftlichen Gründen als unpassend." Die Sprecherin wollte zunächst nicht sagen, ob die für Mitte September geplante Eigentümerversammlung der LSE zur Abstimmung über die geplante Fusion mit der Deutschen Börse verschoben wird oder nicht. Zunächst müsse die Situation genau geprüft werden. In Londoner Finanzmarktkreisen war bereits am Wochenende nicht ausgeschlossen worden, dass die britische Übernahmekommission im Falle einer feindlichen Kaufofferte für die LSE eine Verschiebung der Eigentümerversammlung beantragt.

Die Deutsche Börse wollte das Angebot von OM Gruppen zunächst nicht kommentieren. Nach Einschätzung ihres Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer könnten die Fusionspläne der beiden Börsen im Falle eines feindlichen Kaufversuchs für die LSE jedoch in eine "freundliche Übernahme" durch die Frankfurter Börse umgewandelt werden, sagte Breuer, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank ist, der Zeitung "Herald Tribune".

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