Bisher noch keine Feuergefechte an der 1 400 Kilometer langen Grenze
Truppenaufmärsche an der Afghanisch-Pakistanischen Grenze

Afghanistan hat nach Angaben des pakistanischen Militärs mit einem massiven Truppenaufmarsch an der Grenze zu Pakistan auf die Krise nach den Anschlägen in den USA reagiert.

Reuters ISLAMABAD. Wie ein Armeeoffizier am Montag mitteilte, zog die radikal-islamische Taliban-Regierung 20 000 bis 25 000 Soldaten am Chyber-Pass nahe der Grenze zu Pakistan zusammen. Russische Raketen von Typ Scud und weitere schwere Waffen seien in Stellung gebracht worden. Auch Pakistan habe seine Truppen an der gemeinsamen Grenze verstärkt. Die pakistanische Regierung unternahm zugleich mit diplomatischen Mitteln den Versuch, einen US-Vergeltungsangriff auf Afghanistan abzuwenden. Eine Regierungsdelegation verhandelte mit der Taliban-Regierung über die Auslieferung des Islamisten Osama bin Laden, den die USA als Hauptverdächtigen für die Terroranschläge ansehen.

Der pakistanische Offizier Abid Bahtti sagte am Chyber-Pass, 200 Kilometer westlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad: "Wir sind gerüstet. Wir sind bereit, unser Vaterland zu verteidigen." Bislang seien keine Schüsse gefallen. Die Lage sei kriegsähnlich, allerdings handele es sich nicht um einen offiziell erklärten Krieg. Die pakistanische Grenze sei "sehr sicher". Pakistan und Afghanistan haben eine 1400 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

Zehntausende Afghanen sind auf der Flucht

Die USA haben Vergeltung gegen jeden angekündigt, der Terrorgruppen unterstützt. Pakistan hat den USA nach US-Angaben Unterstützung bei einem Militärschlag zugesagt. Afghanistan hatte im Gegenzug Pakistan und anderen Nachbarn Angriffe angedroht, sollten sie die USA bei einem Vergeltungsschlag unterstützen. Aus Furcht vor einem Vergeltungsschlag der USA sind nach Informationen des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Zehntausende Afghanen auf der Flucht. Sie seien in Richtung Pakistan und Iran unterwegs, teilte ein UNHCR-Sprecher in Islamabad mit.

Vor den Gesprächen mit der Taliban-Regierung in Kandahar sagte Pakistans Außenminister Abdul Sattar, er werde darauf dringen, dass die Taliban in der "schrecklich ernsten Lage" verantwortungsbewusst handelten. Der pakistanische Innenminister Moinuddin Haider warnte die Taliban, das afghanische Volk werde in Schwierigkeiten geraten, falls die Regierung nicht "logisch und ausgewogen" handele.

Afghanistan hatte sich in der Vergangenheit stets geweigert, bin Laden an die USA auszuliefern. Die Taliban-Regierung betrachtet ihn als Gast des Landes. Der in Saudi-Arabien geborene Islamist wird von den USA auch im Zusammenhang mit den Anschlägen auf US-Botschaften in Ostafrika im Jahr 1998 gesucht. Die pakistanische Abordnung kam nach einem Bericht der afghanischen Nachrichtenagentur AIP in Kandahar mit Außenminister Wakil Ahmad Muttawakil zusammen. Daran anschließen sollten sich Gespräche mit dem religiösen Anführer der Taliban, Mullah Mohammad Omar.

Taliban-Regierung wird nur von zwei Staaten anerkannt

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind neben Pakistan die einzigen Staaten weltweit, die die Taliban-Regierung anerkennen. Die radikal-religiöse Bewegung hatte 1996 die Hauptstadt Kabul erobert und die Regierung von Präsident Burhanuddin Rabbani vertrieben.

Der britische Innenminister Jack Straw erklärte, Erkenntnisse des britischen Geheimdienstberichten stützten die US-Ermittlungsergebnisse, dass Bin Laden und seine Organisation die Hauptverdächtigen für die Anschläge seien. US-Präsident George W. Bush hatte am Samstag erstmals Bin Laden als einen Hauptverdächtigen für die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington bezeichnet, bei denen vermutlich tausende Menschen starben.

Wegen der prekären Sicherheitslage rief die Regierung in London alle britischen Bürger zum Verlassen der pakistanischen Grenzregionen zu Afghanistan auf, während die US-Botschaft in Islamabad den Abzug aller Mitarbeiter bis auf eine Stallwache beantragte. Das Auswärtige Amt hatte bereits am Vortag rund 100 in der Grenzregion zu Afghanistan vermutete Deutsche aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.

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