Bisher profitieren nur US-Firmen
Deutsche Firmen haben das Nachsehen

Vor allem US-Unternehmen profitieren vom Wiederaufbau des Iraks. Die Entwicklungsorganisation der US-Regierung, die US Agency for International Developments (USAID) hat acht Projekte im Wert von knapp zwei Milliarden Dollar ausgeschrieben.

kk/tom WASHINGTON/DÜSSELDORF. Bewerben durften sich nur Amerikaner. Bisher sind erst zwei Aufträge vergeben worden: Das Transport-Unternehmen Stevedoring Services of America mit Sitz in Seattle soll den Hochsee-Hafen im irakischen Umm Kasr verwalten und sicherstellen, dass Nachschub und Hilfspakete durchkommen. Der Auftrag ist 4,8 Mill. Dollar wert. Der Auftrag über 7,1 Mill. Dollar für die Personalsuche vor Ort und in Washington ging an die US-Personalberatung International Resources Group aus Washington DC.

Diese Aufträge sind jedoch winzig im Vergleich zu den eigentlichen Wiederaufbau-Leistungen: Der größte Auftrag für den Wiederaufbau der Strom- und Wasserleitungen, der Straßen und Brücken, Schulen, Krankenhäuser und anderen öffentlichen Gebäuden steht noch aus. Er ist nach Angaben von USAID bis zu 600 Mill. Dollar wert und soll diese Woche vergeben werden. Nach Medienberichten sind für den Großauftrag nur noch zwei Kandidaten im Spiel: Der Baukonzern Bechtel Group Inc. mit Sitz in San Francisco und der Konkurrent Parsons Corp. mit Sitz in Pasadena/Kalifornien. Kellogg Brown & Root, die Tochtergesellschaft von Halliburton Co., dessen Vorstandsvorsitzende der amtierende US-Vizepräsident Dick Cheney war, teilte vergangene Woche mit, dass sie sich nicht mehr direkt bewirbt. Kellogg Brown würde jedoch als bedeutender Subunternehmer tätig, sollte der Auftrag an Parsons gehen.

Ausländern macht der USAID-Chef Andrew Natsios Hoffnung, dass sie als Subunternehmer ebenfalls profitieren können: "Wir erwarten, dass 50 Prozent oder mehr der Gelder für den Wiederaufbau an Verträge mit Subunternehmern geht. Und diese Unter-Verträge sind offen für jedes Land in der Welt, das die Arbeit kompetent übernehmen kann." Schätzungsweise haben sich zwölf Unternehmen für die verschiedenen Aufträge von USAID beworben. Bisher sind nur sechs Namen bekannt: Außer Bechtel, Halliburton und Parsons stehen auch Fluor Corp., Louis und Washington Group International Inc. am Start.

Außer USAID vergibt auch das Verteidigungsministerium Aufträge im Irak: So hat etwa Halliburton bereits von einem Auftrag über 500 Mill. Dollar profitiert, um brennende Ölquellen zu löschen. Ein weiterer Nachkriegs-Schauplatz findet im Äther statt: Das Skandal-belastete US-Mobilfunk-Unternehmen Qualcomm und Lucent Technologies machen sich in Washington dafür stark, dass die amerikanische CDMA-Technologie im Irak zum Standard werden soll.

Unternehmen bekommen voon US-Behörden keine Sicherheitsakkreditierung

Die deutschen Unternehmen sehen den Wiederaufbau im Irak zurzeit noch mit Zurückhaltung: Sie bekommen von den US-Behörden keine Sicherheitsakkreditierung, um jetzt schon im Irak aktiv werden zu können. "Wenn es aber eine internationale Ausschreibung für bestimmte Projekte gibt, werden sich sicherlich auch deutsche Unternehmen beteiligen", sagt Jochen Münker, Nah- und Mittelostexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Traditionell sind die deutschen Firmen bei diesen Projekten, die aus Entwicklungshilfetöpfen finanziert werden, nicht besonders stark, weil ihre Preise nicht konkurrenzfähig sind. Beispiel Straßenbau im Kosovo: Dort kamen vor allem türkische Firmen zum Zuge. "Man darf vom Wiederaufbau im Irak auch keine Konjunkturimpulse erwarten", meint Münker. Der DIHK schätzt das Geschäftsvolumen auf rund 80 Mrd. Dollar, was in etwa dem Betrag entspricht, der jährlich an Transferleistungen von West- nach Ostdeutschland fließt.

Mittelostexperten sehen dennoch Geschäftsfelder für Deutsche im Irak, vor allem in der Wasserwirtschaft/Abwassertechnik, in der RWE mit dem Kauf des weltweit größten Anbieters Thames Water gute Chancen hat, aber auch im Kraftwerksbau sowie beim Aufbau des desolaten Telekommunikationsnetzes. Auf beiden Feldern ist Siemens auch in der Region gut aufgestellt.

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