Bisheriger Amtsinhaber Vogel zurückgetreten
Preussag-Chef Frenzel führt jetzt den Bahn-Aufsichtsrat

Wenige Tage vor der für den 14. März angesetzten Aufsichtsratssitzung muss die Deutsche Bahn AG den Abgang ihres Aufsichtsratsvorsitzenden verkraften: Am Mittwoch erklärte Dieter Vogel seinen Rücktritt.

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Sein Nachfolger wird Preussag-Chef Michael Frenzel aus Hannover, teilte Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig am Mittwochabend mit. Frenzel bringe Erfahrung sowohl im Dienstleistungssektor als auch in der Logistik mit. Er gehört dem Bahn-Aufsichtsrat seit Juli 2000 an. Seine Wahl am 14. März gilt als Formsache, da ihn die Vertreter des Bundes vorschlagen, der 100-prozentiger Bahn-Eigentümer ist.

Mangelnde Rückendeckung durch die Bundesregierung

Vogel begründete den Rücktritt in einem Brief an Bodewig mit der mangelnden Rückendeckung durch die Bundesregierung. "Da sich die Bundesregierung in dieser Lage bisher nicht eindeutig hinter mich gestellt hat, lege ich hiermit mein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats mit sofortiger Wirkung nieder", schreibt Vogel. Der seit gut zwei Jahren amtierende ehemalige Thyssen-Manager reagierte damit auf mehrere Zeitungsberichte, in denen seine Abberufung vorausgesagt und über zunehmende Kritik der Bundesregierung an der Arbeit des Aufsichtsrats berichtet wurde (Handelsblatt vom 5.3.2001).

Hintergrund des Abgangs von Vogel sind die anhaltenden Konflikte zwischen dem Aufsichtsratschef und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Seit Monaten beschwert sich Mehdorn bei der Bundesregierung, Vogel beschränke sich nicht auf Kontrollaufgaben, sondern wolle die Geschäftspolitik des Unternehmens mitbestimmen. Demgegenüber betont Vogel in seinem Brief an Bodewig, er habe zu keiner Zeit in Geschäfte eingegriffen, "die nach Gesetz, Satzung und Geschäftsordnung dem Vorstand vorbehalten sind". Der entscheidende Bruch zwischen beiden Managern kam, als Vogel sich offensiv für eine Trennung von Netz und Betrieb einsetzte - gegen die sich Mehdorn vehement stemmt. Der DB-Chef hatte kritisiert, von Vogel nicht mehr die nötige Unterstützung zu erhalten.

Bodewig: Rücktritt keine Richtungsentscheidung Bahnpolitik

In der Sache nahm aber Mehdorn und nicht etwa Vogel eine zunehmend isolierte Position ein. Denn in der Politik steigt die Bereitschaft zur Trennung von Netz und Bahnbetrieb, um mehr Wettbewerb auf der Schiene zu erreichen. Auch Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig zeigt sich in der Frage einer Abtrennung des Schienennetzes aus der DB AG offen. Er betonte deshalb am Mittwochabend, dass der Wechsel an der Aufsichtsratsspitze keine Richtungsentscheidung für die künftige Bahnpolitik sei. Gleichzeitig sprach er Mehdorn sein "volles Vertrauen" aus.

In Regierungskreisen hatte es gestern zunächst geheißen, man wolle Vogel einen ehrenvollen Abgang verschaffen. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, den Aufsichtsratsvorsitzenden erst Mitte des Jahres nach der Hauptversammlung abzulösen. Zum jetzigen Zeitpunkt, da wichtige Weichenstellungen für das Unternehmen bevorstehen, wird der Wechsel weder in der Politik noch im Bahn-Management für glücklich gehalten.

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