Bislang 30 000 Tonnen Schutt abgetragen
Retter trotzen der grausamen Realität

Hunderte von erschöpften Feuerwehrleuten und Bauarbeitern haben am Sonntag in der Katastrophenzone im Süden Manhattans die verzweifelte Suche nach Überlebenden fortgesetzt. "Wir geben nicht auf", versicherte aber New Yorks Polizeichef Bernard Kerik den Familien der Vermissten.

dpa NEW YORK. Die grausame Realität am sechsten Tag des Rettungseinsatzes ist jedoch: In mehr als 72 Stunden wurde kein Opfer des Terroranschlags vom Dienstag mehr lebend aus den Trümmern geborgen.

Stattdessen füllen die Retter weiter Leichensack um Leichensack mit zerfetzten Körperteilen, stolpern über Computer-Tastaturen, Stühle, Aktenkoffer und Handtaschen bei ihrer unermüdlichen Suche nach Lebenszeichen. "Alles ist möglich", sagt Bürgermeister Rudolph Giuliani und erinnert daran, dass nach früheren Katastrophen manchmal noch nach einer Woche und später Lebende gefunden worden seien. «Es muss immer noch Hohlräume mit einigem Sauerstoff geben», sagt auch Rot- Kreuz-Mitarbeiter Joe Egan am Rande der umfassendsten Hilfsoperation in der Geschichte New Yorks. "Wir geben den Glauben an Wunder nicht auf."

Fast 30 000 Tonnen Schutt haben die Mannschaften bislang von den Trümmerbergen des einstigen New Yorker Wahrzeichens abgetragen. Doch es ist nur ein Bruchteil dessen, was ihnen den Weg versperrt zu dem U-Bahnhof in den Untergeschossen, in denen noch Menschen auf Rettung warten könnten. Während nur fünf Opfer lebendig unter Stahlträgern, Betonplatten und Glassplittern befreit werden konnten, stieg die Zahl der tot Geborgenen auf 159 und der Vermissten auf 4972. Für 99 Familien wurde die Angst mit der Identifizierung ihrer Angehörigen zur Gewissheit.

US-Präsident George W. Bush hatte den Rettungs- und Bergungstrupps am Freitagabend persönlich für ihren aufoperungsvollen Einsatz gedankt. Die ganze Welt schaue voller Bewunderung auf sie. "Danke, dass ihr Amerika stolz macht", sagte der Präsident. Der Besuch Bushs auf dem Trümmerberg habe die Moral der Mannschaften gestärkt, hieß es in US-Kommentaren.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton und US-Senatorin Hillary erwiesen dem Kaplan der New Yorker Feuerwehr, «Father Mychal» Judge, am Samstag bei einem Trauergottesdienst die letzte Ehre. Der Priester hatte einem Feuerwehrmann die Letzte Ölung erteilt, als einer der Zwillingstürme über ihm einstürzte und er einen Herzinfarkt erlitt. An der Messe nahm auch Clinton-Tochter Chelsea teil, die das Attentat in nächster Nähe erlebt hatte und zwei Stunden lang als vermisst galt.

Inzwischen hat die USS Comfort, ein großes Lazarettschiff der Marine, an der Südspitze Manhattans festgemacht. Es sollte ursprünglich die mit Verletzten überfüllten Hospitäler der Stadt entlasten. Doch in Ermangelung weiterer Geretteter dient es jetzt den Bergungsmannschaften für kurze Ruhepausen, zum Duschen und Essen.

Neben den Bergungsmannschaften arbeiteten in der Zone zahlreiche Bautrupps intensiv an der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des an das World Trade Center angrenzenden World Financial Center sowie der weiter südöstlich an der Wall Street gelegenen Börse. Sie soll an diesem Montag wieder den Aktienhandel aufnehmen. Voraussetzung dafür ist nicht nur die Wiederherstellung aller Telefon- und Datennetze, sondern auch die Schaffung sicherer Zugänge für weit mehr als 100 000 in der Finanzwirtschaft beschäftigte Menschen.

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