Bislang 7800 registrierte Teilnehmer
Mit SMS auf Verbrecherjagd

Eine knappe Personen-Beschreibung oder das Auto-Kennzeichen sollen die Handy-Detektive auf die heiße Spur leiten. Drei Mal habe das auch schon geklappt und zu entscheidenden Hinweisen an die Polizei geführt, sagt Schmid. In Nordrhein-Westfalen sei ein Zeuge eines Tötungsdelikts ausfindig gemacht worden, in Bayern und Hessen seien gestohlene Autos wiedergefunden worden.

rtr BERLIN. Liebeserklärungen, Fußballergebnisse, Lottozahlen - das alles und noch viel mehr können sich Handy-Besitzer als SMS-Kurznachricht auf ihr Mobiltelefon senden lassen. Und nun sollen die knappen Textbotschaften sogar bei der Verbrecherjagd helfen: Auf der Website des Münchner Unternehmens Safecity (www.safecity.de) können sich Handy-Besitzer registrieren lassen, um kurze Suchmeldungen nach vermissten Menschen, gestohlenen Autos oder aktuelle Polizeimitteilungen zu erhalten. Um das Ganze finanzieren und bei erfolgreichen Hinweisen eine Prämie von 500 DM zahlen zu können, hängt Safecity hinter jeden Hinweis eine Werbebotschaft. Polizei und Kriminologen sehen das Angebot gelassen.

Bislang 7800 registrierte Teilnehmer wollen nach Angaben von Safecity-Chef Peter Schmid für sichere Städte in Deutschland sorgen. Bis zu 200 Neuanmeldungen verzeichne der im Mai gestartete Dienst pro Tag. "Besonders bei vermissten Personen sind die ersten 24 Stunden entscheidend. Es geht darum, möglichst schnell eine große Öffentlichkeit zu erreichen", erklärt der ehemalige Kriminaloberkommissar Schmid das Konzept. "Dabei hat die SMS einen großen Vorteil: Sie erreicht den potenziellen Zeugen sofort." Zudem könne sie - anders als Radio-Suchmeldungen - gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden.

Schon erste Erfolge verbucht

Eine knappe Personen-Beschreibung oder das Auto-Kennzeichen sollen die Handy-Detektive auf die heiße Spur leiten. Drei Mal habe das auch schon geklappt und zu entscheidenden Hinweisen an die Polizei geführt, sagt Schmid. In Nordrhein-Westfalen sei ein Zeuge eines Tötungsdelikts ausfindig gemacht worden, in Bayern und Hessen seien gestohlene Autos wiedergefunden worden.

Als Informationsquellen dienen Safecity die offiziell von der Polizei herausgegebenen Suchmeldungen. Registrierte SMS-Detektive sollen im Schnitt nicht mehr als zwei Meldungen pro Tag erhalten, die auf den jeweiligen Wohnort des Empfängers zugeschnitten verteilt werden. Eine Nachricht wie "München, gesucht wird Sandra, sechs J., blonde Haare, 100 cm, rote Hose, bl. Pullover, Info an T. 110" wird also nur im Raum München versendet. Insgesamt hat SafeCity nach eigenen Angaben bisher rund 700 Meldungen verschickt. Die Reaktion der Polizei auf den neuen Service sei gut. "Wir konnten manche anfänglichen Bedenken ausräumen", sagte Schmid. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, begrüßt den Service im Prinzip. "Bei Fahndungen ist die Polizei auf jede Unterstützung angewiesen. Das reicht von den Medien bis zu Flugzetteln." Allerdings warnt er vor überzogenen Erwartungen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das weit ausbreitet." Und: "Es wäre uns natürlich lieb, wenn keine Werbung dabei wäre." Die Logistik koste eben Geld, begründet Schmid den Werbe-Anhang. "Aber ich habe kein Problem damit."

Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, hat ebenfalls keine Bedenken, dass der Service die SMS-Empfänger zu kleinen Schnüfflern machen könnte. "Das ist ein neues Medium, und gerade bei Suchmeldungen kann man schon neue Wege gehen", sagt der Diplom-Psychologe. Eine SMS könne effektiver sein als in Polizeirevieren aufgehängte Plakate, die man eher zufällig sehe. "Ich bin aber nicht sicher, wie erfolgreich so etwas sein kann."

Bis Jahresende rechnet Schmid mit 50 000 registrierten Teilnehmern - dann hätte die Safecity AG nach seinen Angaben auch die Gewinnschwelle erreicht. Zurzeit sei ein Brothersteller der einzige Sponsor, aber Safecity sei mit acht weiteren im Gespräch.

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