Bislang älteste Funde
Menschheit stammt von 2 000 Individuen ab

Die bislang ältesten Überreste des modernen Menschen hat ein internationales Forscherteam in Äthiopien ausgegraben. Die Schädelknochen von drei Angehörigen der Art Homo sapiens sind rund 160 000 Jahre alt. Der Fund erhärtet die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort ausgebreitet haben.

HB/dpa LONDON/NEW YORK. Bevor sie die ganze Welt eroberten, wären die modernen Menschen einer anderen Studie zufolge allerdings um ein Haar ausgestorben: Nach einer Analyse amerikanischer und russischer Forscher lebten vor 70 000 Jahren nur noch rund 2 000 Individuen.

Im Erbgut der Menschen gebe es weltweit so wenig Unterschiede, dass es nur einem ganz kleinen "Gen-Pool" entstammen könne, berichten die Forscher von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien) und der Russischen Akademie der Wissenschaften im "American Journal of Human Genetics". Die Untersuchung bestätigt darüber hinaus ebenfalls, dass der Homo sapiens vor knapp 70 000 Jahren seine afrikanische Heimat verließ und den Rest der Welt eroberte. Eine frühere Studie, die sich am Y-Chromosom von 1 000 Männern in 21 Volksstämmen orientierte, hatte den Auszug aus Afrika auf die Zeit vor 66 000 Jahren gelegt.

Die in Äthiopien gefundenen drei Schädel weisen Kratzspuren von Steinwerkzeugen auf, was vermutlich auf einen Totenkult hindeutet, wie Wissenschaftler um Tim White von der Universität von Kalifornien in Berkeley im britischen Fachjournal "Nature" berichten. Der Fundort der Fossilien liegt in der äthiopischen Awash-Region, nahe des Dorfes Herto auf der Halbinsel Bouri, rund 230 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Addis Abeba.

Einer der drei Schädel, die bereits 1997 ausgegraben worden sind, gehörte zu einem männlichen Erwachsenen und ist sehr gut erhalten. Von einem weiteren Erwachsenen ist nur die Schädeldecke erhalten. Der Schädel eines Kindes war in kleine Teile zersprengt und wurde von den Wissenschaftlern in mühevoller Puzzlearbeit wieder zusammengesetzt. Die Ähnlichkeit von Schädelform und-größe der "Herto-Hominiden" zu den heute lebenden Menschen (Homo sapiens sapiens) ist so groß, dass die Wissenschaftler sie zur Art Homo sapiens zählen, allerdings als eigene Unterart: Homo sapiens idaltu.

Die neuen Funde seien ein bisher fehlendes Bindeglied zwischen älteren Fossilienfunden in Afrika und jüngeren Funden, beziehungsweise dem heute lebenden modernen Menschen. Neben Schädelfragmenten und Zähnen von weiteren sieben Menschen fanden die Wissenschaftler auch Steinwerkzeuge und Tierknochen. Überreste von Antilopen und Flusspferden geben dabei einen Hinweis auf den Speiseplan der damaligen Menschen. Eine Analyse der Umgebung ergab, dass die Herto-Hominiden an den Ufern eines Süßwassersees gelebt haben.

In der Awash-Region wurden bereits zahlreiche spektakuläre Fossilienfunde gemacht: So wurde etwa 1999 der Fund des 2,5 Millionen alten Australopithecus garhi bekannt gegeben. Dieser frühe Hominid war vermutlich der erste, der Steinwerkzeuge benutzte, um das Fleisch erlegter Tiere zu bearbeiten. Im Jahr 2002 berichteten Wissenschaftler vom Fund eines Homo-erectus-Schädel, anhand dessen die gemeinsame Abstammung von Asiaten und Afrikanern gezeigt werden konnte.

Die zuvor ältesten bekannten Überreste des Homo sapiens waren 1969 in der israelischen Qafzeh-Höhle gefunden worden. Insgesamt entdeckten Forscher dort 21 Skelette, die etwa 100 000 Jahre alt sind. Sie dürften zu der Gruppe gehört haben, aus der alle modernen Menschen außerhalb Afrikas hervorgegingen.

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