Bislang bewährte Strategien haben ihre Gültigkeit verloren
Experten raten privaten Anlegern vom Tradermarkt ab

Experten verschiedener deutscher Banken und Wertpapierhandelshäuser sehen die Aktienmärkte in einer Tradingphase in der bislang bewährte langfristige Strategien ihre Gültigkeit verloren haben. In einem solchen "Tradermarkt" sei kurzfristiges Handeln gefragt.

Reuters FRANKFURT. Privatanleger sollten sich da nicht reinwagen, rät Gerald Huber von der Bayerischen Landesbank. Investoren, die es dennoch nicht lassen können, empfehlen Experten in der gegenwärtigen Situation selektives Stockpicking und Werte mit erfahrungsgemäß niedrigen Kursschwankungen zu kaufen. Der Aktienanteil im Portfolio sollte aber 25 bis 30 % nicht übersteigen.

"Für den langfristig denkenden Anleger kommt ein sehr frostiges Klima, die Buy and Hold-Methode wird keinen Erfolg mehr haben", sagte Huber. Er sehe einen Tradingmarkt kommen, wie es ihn zuletzt in den sechziger Jahren gegeben habe. Das bedeute die Chance, bei steigenden und fallenden Kursen Gewinne zu machen. Doch das sollten nur sehr flexible und kurzfristig handelnde Anleger versuchen, rät Huber. "Das ist ein Markt für Profis, dem durchschnittlichen Anleger würde ich abraten, sich da reinzuwagen", sagt Huber. Privaten Anlegern, die noch nicht aus Aktien ausgestiegen sind, rate er, sich bei kurzfristigen Kurserholungen ämit Anstand aus dem Markt zurückzuziehen" - also verkaufen.

Einen Wechsel hin zu einem von Branchenrotation geprägten Markt sieht Christian Kahler, Aktienanalyst bei der DZ Bank AG. Private Anleger müssten sich jetzt bei Ihren Investments an Gewinn- und Wachstumsphasen einzelner Branchen orientieren und könnten nicht mehr vom Wachstum des Gesamtmarktes profitieren. Das bedeute eine Rückkehr zu klassischen Investmentmethoden. "Das ist ein Markt für Stockpicker, die gezielt Einzelwerte auswählen . Private Anleger müssen sich da sehr sorgfältig informieren und auch die Risiken großzügig einkalkulieren", sagt Kahler.

Kaufkurse für den langfristigen Investor

Keinen Paradigmenwechsel und gegenwärtig noch keinen Anlass, die mittelfristige Strategie fürs private Portfolio zu ändern, sieht der Leiter der Abteilung Strategie bei der Hypovereinsbank, Gerhard Schwarz. "Ich glaube, dass wir einen kurzfristigen Schock haben und sich die Bewertungsindikatoren für die Märkte innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder der langfristigen durchschnittlichen Marktentwicklung nähern." Das heiße für den privaten Anleger, in der mehrmonatigen Bodenbildungsphase mit teilweise starken Ausschlägen nach oben und unten, weiter in defensiven Positionen zu bleiben und zu warten, bis sich die Märkte stabilisierten.

Befragte Anlageberater sehen gegenwärtig aber auch günstige Gelegenheit, zu risikoärmeren Positionen zu wechseln. "Für den langfristigen Investor sind das meiner Meinung nach eigentlich Kaufkurse", sagt der Anlageberater bei der Bayerischen Landesbank, Micha Katzer. Jedoch sollten Anleger sich auf ausgewählte Dax 30 Titel beschränken und insgesamt eher auf festverzinsliche Wertpapiere konzentrieren. "Ich würde einen Aktienanteil von 25 bis maximal 30 % nicht überschreiten", sagt Katzer.

Trotz der steigenden Aktienindizes in der der vergangenen Woche rät auch der Vermögensberater für Privatkunden Friedrich Pils von der Hypovereinsbank zur Vorsicht: "Es gab in den letzten Tagen positive Vorzeichen an den Börsen und es gibt teilweise auch schon wieder positive Stimmung -- aber von einer Wende kann man nicht sprechen." Pils warnt davor, jetzt auf Gewinne in einzelnen Branchen zu setzen. Vielmehr gelte eine defensive Anlage auf verschiedene Segmente zu verteilen, statt der Branchenrotation zu folgen. "Ich warne, in das Trading zu gehen, das ist ein extremes Nervenspiel, das ein einfacher Anleger nicht durchsteht.

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