Bislang größter chinesischer Bankenskandal zieht immer weitere Kreise – ehemalige US-Kunden klagen
Börsengang der Bank of China-Tochter gefährdet

Chinas bislang größter Bankenskandal zieht weitere Kreise: Nun gerät auch die Hongkonger Tochter der Bank of China (BOC) in den Strudel massiver Unregelmäßigkeiten bei der US-Niederlassung des Instituts. Das könnte ihren geplanten Börsengang gefährden, der vier bis fünf Milliarden Dollar einbringen soll.

olm/wsj HONGKONG. Das Asian Wall Street Journal zitiert Gerichtsdokumente, nach denen die BOC Hong Kong verstrickt sein soll in betrügerische Kreditvergaben bei ihrem amerikanischen Schwesterinstitut. Inzwischen hat die Bank eine Strafe von 20 Mill. $ an die US-Behörden und die chinesische Finanzaufsicht gezahlt. Ehemalige BOC-Kunden in den USA behaupten nun in einer Klage, die Hongkonger Bank habe der US-Schwester bei Währungs-Arbitrage-Geschäften ohne Lizenz geholfen.

Einige Berater empfehlen dem Institut nun, das Listing mindestens bis zum Jahresende zu verschieben, um neues Vertrauen zu gewinnen. In der Hongkong-Tochter hat die BOC ihre Auslands- und Fremdwährungsaktivitäten gebündelt. Eigentlich sollte sie in diesem Quartal an der New York Stock Exchange und der Börse Hongkong notiert werden.

Die BOC, eine der vier großen Staatsbanken in China, ist in eine Reihe von Skandalen verwickelt, die ein schlechtes Licht auf das Finanzsystem des Landes werfen: Im vergangenen Herbst flog in Hongkong ein Syndikat auf, das über eines ihrer weit verzweigten Tochterinstitute 6,4 Mrd. $ gewaschen haben soll. Der vormals stellvertretende Chef der BOC Hongkong ist aus unbekannten Gründen in Peking interniert. Chinas Rechnungshof hat bei der Prüfung der BOC-Bücher gerade betrügerische Kredite in Höhe von 326 Mill. $ aufgedeckt.

Dennoch gilt die Hongkong-Tochter als Perle der chinesischen Finanzbranche. Sie ist das Vorbild für die Reform des maroden Finanzsektors des Landes. Die Bank verfügt über internationales Know-how, hat gerade eine grundlegende Restrukturierung hinter sich gebracht, und ist anders als die intransparente Mutter der Aufsicht einer der besten Regulierungsbehörden in Fernost unterworfen, der Hong Kong Monetary Authority. Verschiebt sich der Börsengang, dürfen andere chinesische Banken erst recht nicht auf die internationalen Kapitalmärkte hoffen. Das könnte die Reform der gesamten Branche bremsen, für die Rekapitalisierung und Kontrolle durch Aktionäre eine wichtige spielen. Chinas Banken wurden von Politikern jahrzehntelang als Melkkühe für unprofitable Staatskonzerne missbraucht. Sie sitzen auf Bergen fauler Kredite, die meisten wären nach westlichen Standards insolvent.

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