Bislang kein terroristischer Hintergrund erkennbar
Rätselraten um Sprengstoff-Schiff geht weiter

Die Affäre um den mit 680 Tonnen Sprengstoff beladenen Frachter "Baltic Sky", der am vergangenen Sonntag von der griechischen Küstenwache aufgebracht wurde, bleibt mysteriös. Am Mittwoch wurden der Kapitän und die sechsköpfige Besatzung in der west-griechischen Stadt Missolonghi vor Gericht vernommen. Doch auch ihre Aussagen brachten nur wenig Licht in die rätselhafte Angelegenheit. Der anfängliche Verdacht, der Sprengstofftransport habe einen terroristischen Hintergrund, hat sich bisher nicht erhärtet.

ghö ATHEN. Der ukrainische Kapitän Anatolij Baltak sagte, er habe ordnungsgemäße Frachtpapiere für den Transport des Sprengstoffs. Die "Baltic Sky" hatte die explosive Fracht, ne-bem dem Sprengstoff auch 140 000 Zünder, am 12. Mai im tunesischen Hafen Gabes geladen. Empfänger des Sprengstoffs war die sudanesische Firma Integrated Chemicals and Development. Nach Angaben des Lieferanten, der Societe Tunisienne d'Explosivs et Munitions (SOTE-MU), war der Sprengstoff für "nichtmilitärische" Zwecke bestimmt. Diese Darstellung gibt auch die sudanesische Regierung, die Griechenland wegen der Beschlagnahme kritisierte. Die tunesische Regierung bezeichnete die Aktion der griechischen Küstenwache ebenfalls als ungerechtfertigt.

Bei ihrem Zugriff stützten sich die griechischen Behörden offenbar auf Hinweise von US-Geheimdiensten und der Nato, die das Sprengstoff-Schiff seit längerem beobachteten. Für Argwohn sorgte nicht nur das Bestimmungsland Sudan, das als eine Operationsbasis islamischer Terroristen gilt, sondern auch die rätselhafte Fahrtroute der "Baltic Sky". Nach der Verladung des Sprengstoffs nahm das Schiff nicht etwa Kurs auf den Suezkanal sondern fuhr in die Dardanellen.

Am 3. Juni legte die "Baltic Sky" in Istanbul an, wo der Kapitän und Teile der Besatzung gewechselt wurden. Dort habe er das Kommando über den Frachter übernommen, erklärte Ka-pitän Baltak. Auf Weisung des irischen Reeders, Christian McNulty, habe er zunächst knapp zwei Wochen bei Istanbul geankert, bevor er dann am 20. Juni angewiesen worden sei, Kurs auf Sudan zu nehmen. Unterwegs habe er dann jedoch die Order bekommen, den griechischen Hafen Platijali anzulaufen.

Nach Darstellung des tunesischen Lieferanten des Sprengstoffs soll ein Streit um die Frachtrate der Grund für die 41 Tage dauernde Irrfahrt des Sprengstoff-Frachters gewesen sein. Griechenland rechtfertigte die Aufbringung des Schiffes und die Festnahme der Besatzung damit, der Kapitän habe es versäumt, bei Erreichen der griechischen Hoheitsgewässer die gefährliche Fracht ordnungsgemäß zu deklarieren.

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