Bislang sind mindestens 148 Menschen getötet worden
Israel offensiv gegen Guerilla-Krieg

Reuters JERUSALEM. Israel hat einen offensiven Kampf gegen palästinensische Guerilla-Kämpfer angekündigt. Das Militär teilte am Dienstag mit, es werde keinen Guerilla-Krieg tolerieren. Bereits am Vorabend hatten Kampfhubschrauber drei Gebäude der palästinensischen Fatah-Partei mit Raketen beschossen und damit eine neue Taktik gegen die Palästinenser eingeläutet. Sie werde nicht mehr nur auf Gewalt reagieren, sondern gezielt gegen die Täter vorgehen, erklärte die Armee. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat verurteilte den Angriff. Er werde aber nichts and er Entschlossenheit der Palästinenser ändern, für ihren Staat und Jerusalem zu kämpfen.

Berichte über Verletzte bei den Raketenangriffen auf zwei Fatah-Gebäude in Nablus und Ramallah im Westjordanland und eines im Gaza-Streifen lagen zunächst nicht vor. Schlomo Dagan, ein hochrangiger israelischer Kommandeur im Gaza-Streifen, machte Arafats Fatah-Organisation für die Raketenangriffe verantwortlich. "Die andere Seite muss wissen, ... dass all ihre Gewaltakte einen Preis haben", sagte Dagan im Armeerundfunk.

Die Armee teilte mit, die Angriffe seien Teil ihrer neuen Taktik und Vergeltung für den Tod dreier Israelis in den vergangenen vier Tagen. Das Militär machte die Fatah für den Tod der Israelis verantwortlich. Am Montag waren ein israelischer Wachmann im arabischen Ostjerusalem erschossen und die Leiche eines anderen Mannes am Rande der Stadt gefunden worden. Am Samstag hatten Unbekannte einen Israeli im Westjordanland erschossen und verbrannt. "Der Hauptzweck dieser Angriffe war zu zeigen, dass jene, die diese Taten verüben, nämlich die Fatah und deren Elitetruppe "Einheit 17", nicht ungeschoren bleiben", sagte Militärsprecher Raanan Gissin der Nachrichtenagentur Reuters.

Vize-Verteidigungsminister Ephraim Sneh nannte den Hubschrauber-Angriff eine Warnung. Es werde nicht toleriert, dass die Palästinenser eine Guerilla-Krieg führten, wie es ihn im Libanon gegeben habe, sagte Sneh im Fernsehen. Die radikal- islamische Hisbollah hatte gegen Israels Armee im besetzten Südlibanon gekämpft. Israel beendete die 22-jährige Besatzung im Mai.

Flughafen Gaza zum dritten Mal geschlossen

Während der seit fast fünf Wochen anhaltenden Unruhen in den Palästinenser-Gebieten sind bislang mindestens 148 Menschen getötet worden. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Palästinenser oder arabische Israelis. Die Auseinandersetzungen gingen nach Armee-Angaben auch in der Nacht in Nablus, Jericho, Tulkarm, nahe Ramallah und in der jüdischen Siedlung Psagot weiter. In Ramallah rissen zwei Raketen Löcher in die Fassade des dortigen Fatah-Hauptquartiers. Wasser tropfte aus einer zerstörten Leitung. Auch eine nahe gelegene Synagoge der Samariter-Sekte wurde durch den Angriff beschädigt. Dafür entschuldigte sich die Armee.

Zum dritten Mal seit Beginn der Unruhen schloss Israel den internationalen Flughafen der Palästinenser im Gaza-Streifen. Nach Angaben der Palästinenser wurde eine am Montagabend angeordnete Sperre bis Mittwoch verlängert.

Unterdessen wächst der innenpolitische Druck auf den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Bark. Oppositionschef Ariel Scharon kündigte an, Baraks Minderheitsregierung sollte durch eine neue Regierung ersetzt werden. Scharon sagte im Rundfunk, er könne Barak und seine gescheiterte Regierung nicht weiter unterstützen. Unklar blieb, ob Scharon damit einer von Barak angestrebten gemeinsamen Regierung eine endgültige Absage erteilte. Die Verhandlungen darüber hatten in den vergangenen Tagen nicht zu einem Erfolg geführt.

Scharon gilt als strikter Gegner von Baraks Palästinenser- Politik. Dieser hatte im Juli seine Parlamentsmehrheit verloren. Baraks Mitte-Links-Regierung verfügt derzeit nur noch über die Unterstützung von 30 der 120 Abgeordneten im israelischen Parlament, der Knesset. Am Montag hatte die Knesset ihre Sommerpause beendet. Baraks Allianz dürfte das nächste Vertrauensvotum kaum überstehen.

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