BIZ
Finanzmanipulationen schwächen die Märkte

Die jüngst zu Tage getretenen Bilanzmanipulationen und Fehlbuchungen bei US-Unternehmen haben nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Schwächen im Prozess der Aufbereitung von Finanzinformationen für die Anleger deutlich gemacht. Analysten übernehmen demnach eine "verhängnisvolle Rolle".

Reuters BASEL. Durch die Vorgänge um Firmen wie Enron, Xerox, Tyco und Worldcom würden die Investoren abgeschreckt, die Marktpreise würden verzerrt und es könnte zu einer Fehlallokation von Kapital kommen, schreibt die BIZ in ihrem am Montag veröffentlichten Jahresbericht weiter.

Zuverlässige Informationen über die Lage und die Aussicht einzelner Unternehmen gelten "als das Lebenselexier der Märkte", hiess es in dem Jahresbericht. Die Basisinformationen kommen dabei von den Unternehmen selbst, doch auch Wirtschaftsprüfer und Aktienanalysten seien an der Bereitstellung von Informationen für die Märkte beteiligt.
Selbst unter normalen Bedingungen berge die Bereitstellung dieser Finanzinformationen ein fundamentales Dilemma, erklärte die BIZ. Die Aufbereitung der Informationen ist kostspielig, aber zugleich ist es schwierig, die Kosten auf die Anleger zu überwälzen. Daher werden die Wirtschaftsprüfer von den Unternehmen bezahlt. Banken, die Analysen finanzieren, haben noch andere Geschäftsbeziehungen zu den analysierten Unternehmen. Dieses System habe aber in der Vergangenheit trotz allem "einigermassen gut" funktioniert.

Verhängnisvolle Rolle der Analysten

Doch mit dem "Zeitgeist" und dem von den Technologiewerten angeführten Börsenboom Ende der 90er-Jahre kamen, so der BIZ-Bericht, kreative Methoden der Rechnungslegungen und Pro-forma-Ausweise, die die schlechten Nachrichten ausklammerten. "Wirtschaftsprüfer und Aktienanalysten fanden sich zunehmend in der gleichen Interessenlage wie die Unternehmen, die ihre Ertragsausweise schönten," so die BIZ.

Und Analysten spielten eine verhängnisvolle Rolle. Diese schienen eine "schier unheimlichen Fähigkeit, die ausgewiesenen Gewinne genau vorherzusagen" zu besitzen und konnte so ihre Autorität bei den Anlegern deutlich steigern. "Und kaum jemand hegte den Verdacht, dass diese scheinbare Vorahnung auf kreativ gestaltete Ertragsausweise der Unternehmen selbst zurückzuführen sein könnte," hiess es im Bericht der BIZ.

Entsprechend habe das Ansehen der bei grossen Wertpapierhäusern beschäftigten Analysten nun schwer gelitten und institutionelle Anleger würden jetzt mehr Mittel für eigene Analyse einsetzen. Der Fall Enron sei aber lediglich eine besonders drastische Offenbarung dieses Zeitgeistes gewesen. Zwar sei von Seiten der Wirtschaftsprüfer und Banken bereits einiges geschehen, um etwa Interessenkonflikte auszuschliessen oder zu mindern. Aber auch die Anleger haben die Messlatte für die erwartete Informationsqualität höher gelegt, so die BIZ.

Die BIZ warnte jedoch vor einem überhasteten Vorgehen der Aufsichtsbehörden. Es gehe darum, Interessenkonflikte möglichst auszuschalten und falsche Anreizsysteme zu vermeiden. In vielen Bereichen würden bereits Selbstregulierungs-Mechanismen der Märkte wirksam. Die Behörden sollten mit Fingerspitzengefühl und ohne übergrosse Eile vorgehen

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Risiken der Konzentration

Die Funktion der Märkte könnte nach Ansicht der BIZ auch durch eine übermässige Konzentration beeinträchtigt werden. Fusionen und Übernahmen unter Banken und Finanzhäusern könnten in einigen Marksegmenten zu einem wachsenden Systemrisiko führen, hiess es in dem BIZ-Jahresbericht.
In vielen Fällen nahm die Zahl der in einem Markt tätigen Händler und Marktmacher in der Vergangenheit ab. Das bedeute auch einen Abzug von Risikokapital, das zuvor für das Marktmachergeschäft zu Verfügung stand. Auch wachse die Gefahr, dass (fehlerhafte) Entwicklungen bei einem einzigen Händler Auswirkungen auf den ganzen Markt haben können. Eine hohe und weiter steigende Konzentration verzeichnete die BIZ bei Devisen- und Derivate-Geschäften. In neuerer Zeit sei der Konzentrationsgrad bei den Finanzinstituten besonders an den ausserbörslichen Märkten gestiegen.

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