Bizzare Wahlkampf-Andenken
20 100 Dollar für Obamas halbe Waffel

Barack Obama leidet offenbar unter einem Midas-Syndrom. Was er anfasst wird zu Gold - oder zumindestens so wertvoll wie Gold.

DÜSSELDORF. Die Frühstückswaffel, die Obama im Vorwahlkampf von Pennsylvania im Gliders Diner von Scranton zum Frühstück verzehren wollte, hat bereits Berühmheit erlangt. Obama hatte Reporterfragen nach Jimmy Carter und der Hamas mit einem unwirschen » "Ich will doch nur in Ruhe meine Waffel essen" zurückgewiesen. Genau diese Waffel wurde nun zur Kostbarkeit. Genauer gesagt: das, was von ihr übrig blieb.

Offenbar hatten die Reporter Obama den Appetit gründlich verdorben, die halbe Waffel blieb auf dem Teller zurück. Kaum hatte sich der Hoffnungsträger der Demokraten abgewandt, schon sicherte sich ein Stammgast den Rest. John Oakes ist eigentlich ein Fan von Hillary Clinton, aber gerade darum erkannte er sofort den Wert der Waffel – und bot sie über Ebay zum Verkauf an:

“THIS IS BARAK HUSSEIN OBAMA’S BREAKFAST FROM THIS MORNING, 4-21-08 AT THE GLIDER DINER IN SCRANTON, PA. WINNER GETS HIS USED DINER PLATE WITH HIS USED SILVERWARE AND UN EATEN PORTION OF HIS WAFFLE & SAUSAGE LINK. IT WAS WRAPPED WITH SARAN WRAP IMMEDIATELY AFTER HIS DEPARTURE AND IS NOW IN THE FREEZER AWAITING THE LUCKY WINNERS BID!!!” THIS IS 100% AUTHENTIC AS YOU CAN SEE HE WAS AT THE DINER BY THE PICTURE AND IT WAS ON ALL LOCAL NEWS STATIONS. THIS PLATE WAS WRAPPED BY THE WAITRESS THAT SERVED HIM. GUARANTEED AUTHENTIC, HIS DNA IS ON THE SILVERWARE. ALL PROCEEDS GO TO HILLARY FOR PRESIDENT!!!! HAHA"

Mit dem Erlös, erzählte Oakes später, wollte er die Kampagne von Clinton unterstüzten. Und er ahnte schon, was er damit lostrat: "Wir haben bei Ebay reingesetzt weil wir uns gedacht haben, dass die Leute total verrückt sind und völlig durchdrehen. Und weißt Du was - sie drehten durch," zitiert die Lokalzeitung Times Tribune den Waffel-Besitzer. Binnen weniger Stunden boten sich die Obama-Fans hoch, 36 Angeboten trieben den Preis auf 20 100 Dollar hoch. Dabei war es ja nur die Hälfte der Waffel, die der Kandidat verschmäht hatte.

Allmählich wurde es Oakes mulmig. Vermutungen wurden laut, der Besitzer des Restaurants stünde hinter der ganzen Sache. Und auch der Unterton der Ebay-Anpreisung unter Verwendung des vollen Namens "Barack Hussein Obama" stieß nicht nur auf Zustimmung.

"Also haben wir die Waffel zurückgezogen", sagt Oakes. Anderen Berichte zufolge war es Ebay selbst, weil das Angebot nicht den Hygiene-Vorschriften entsprach. Böse Zungen könnten nun behaupten: Manchmal haben die Amerikaner wirklich einen an der Waffel.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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