Björn Dählie ist nur noch Geschichte
Björndalen ist der "König der Spiele"

IOC-Vizepräsident Thomas Bach kürte ihn zum "König der Spiele", Bundestrainer Frank Ullrich verlieh ihm das Prädikat des "derzeit weltbesten Biathleten", die Konkurrenten sprachen von einem "Außerirdischen". Und die Osloer Tageszeitung "VG" stellte fest: "In den vergangenen zehn Tagen ist Dählie Geschichte geworden, Björndalen hat seinen Platz eingenommen."

HB/dpa SALT LAKE CITY. Doch der bei den Winterspielen in Salt Lake City mit vier Mal Gold dekorierte Ole Einar Björndalen blieb auch nach seinem Triumphzug bescheiden wie eh und je. "Als Held der Spiele fühle ich mich nicht. Ich wollte einen guten Job in den vier Rennen machen. Das ist mir mit den vier Goldmedaillen gelungen. An historische Dimensionen denke ich nicht", sagte der 28-jährige Norweger, dem ein ähnliches Kunststück gelang wie Eric Heiden und das gleiche wie Lidija Skoblikowa. Der amerikanische Eisschnellläufer hatte 1980 bei fünf Starts fünf Mal Olympia-Gold gewonnen, die sowjetische Kufenflitzerin 1964 bei vier Starts ebenfalls vier Siege gefeiert.

Nach seinem Gold-Vierer in Soldier Hollow ist der Hobby-Student an der Uni Trondheim und Biathlon-Profi nicht nur der erfolgreichste Skijäger der Olympia-Geschichte. In der Wertung der besten Olympioniken aller Zeiten rückte er mit nunmehr fünf goldenen und einer silbernen Medaille auf den sechsten Platz vor. Ganz vorn steht noch immer Landsmann Björn Dählie, der bei drei Winterspielen acht Mal Gold und vier Mal Silber gewonnen hat und der nun voraussagte: "Ole Einar wird ein größerer Olympia-Champion werden als ich."

Denn Björndalen denkt noch lange nicht ans Aufhören. "Biathlon macht mir noch immer viel Spaß. Daneben werde ich auch in Zukunft ab und an bei den Langläufern starten", kündigte er an. "Doch jetzt wird erst Mal kräftig gefeiert, aber ohne Alkohol."

Wichtiger als historische Vergleiche ist ihm, dass Biathlon in den vergangenen vier Jahren in der Popularitätsskala der norwegischen Sport-Fans einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht hat. "Das zieht Sponsoren und Medien an, ist gut nicht nur für unser Team, sondern auch für die Zukunft. Denn es werden junge Burschen für unseren Sport begeistert", betonte er.

Vor den Spielen hatten nicht wenige Fachleute Björndalens Härteprogramm mit fünf Rennen und 80 Wettkampf-Kilometern in zwölf Tagen kritisch betrachtet. "Ich gebe ehrlich zu, ich war auch skeptisch", bekannte Frank Ullrich, der sich wie alle anderen eines Besseren belehren lassen musste.

Der mit der italienischen Skijägerin Nathalie Santer verlobte Norweger hat seit seinen drei WM-Siegen 1993 bei den Junioren den Ruf eines laufstarken, aber nervenschwachen Schützen. Zu Beginn des Olympia-Winters schien das vergessen, als ihm beim Auftaktsieg in Hochfilzen ein perfektes Rennen gelang. Beim Weltcup in Oberhof traten aber wieder die alten Probleme auf.

Björndalen strich sofort den Weltcup in Ruhpolding aus seinem Programm, trainierte stattdessen intensiv im Südtiroler Antholz. "Die Zusammenarbeit mit meinem Freund und Mental-Trainer Oivin Hammer hat mir fürs Schießen sehr geholfen", erklärte Björndalen, der durch seinen vier Jahre älteren Bruder Dag zum Biathlon gekommen war. Zuvor hatte er sich als mehrfacher norwegischer Skilanglauf-Meister im Nachwuchs hervor getan. Mit 27 Tagessiegen ist der begeisterte Rad- und Motorradfahrer auch der erfolgreichste Skijäger im Weltcup.

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