"Blacky" hat immer ein offense Ohr
Schwarzer: Hart am Kreis, weich im Kern

Er ist der wohl härteste Hund im deutschen Handball-Team und hat doch ein weiches Herz: Unvergessen sind die Szenen nach dem EM-Gewinn im Februar, als er vor laufender TV-Kamera weinend den Sieg seinem kranken Vater widmete. Auch viele Stunden nach dem Handball-Krimi in Athen gegen Spanien hat der "Doppelzentner vom Wurfkreis", wie Christian Schwarzer früher beim TV Niederwürzbach genannt wurde, noch feuchte Augen beim Erzählen.

HB ATHEN. "Mental war das Spiel unglaublich hart, wir sind wie im Trance-Zustand rauf und runter gelaufen", sagte der Kreisläufer, der mit seinen beiden Toren das fast schon aussichtslos zurückgelegene Team ins entscheidende Siebenmeterschießen warf. So ermöglichte er den Einzug ins Olympia-Halbfinale an diesem Freitag gegen Olympiasieger Russland (15.30 Uhr).

Der 34-jährige Reiseverkehrskaufmann war bislang mit seinen 29 Feldtoren der Garant für den Erfolg im olympischen Turnier. Welches Ziel er auf seiner wohl letzten Mission im Nationaldress verfolgt, erklärte er als einer der wenigen unmissverständlich: "Ich will olympisches Gold. Wir mussten in der Vergangenheit hart dafür arbeiten und hatten genug Pech". Für den Höhepunkt seiner 25-jährigen Karriere hat er bei seiner dritten Olympia-Teilnahme extra seine Familie mit nach Griechenland gebracht.

Doch "Blacky" hat auch für andere immer ein offenes Ohr. Der Vater des fünfjährigen Kian-Maurice bereitet sich in einem Reisebüro auf die Zeit nach dem Ballsport vor und bekam eines Tages Kundschaft mit besonderen Wünschen. Die Mutter eines fünfjährigen Mädchens, das an einer Hirnfehlbildung leidet, ließ sich von ihm ein spezielles Reiseangebot ausarbeiten, um die kleine Alice bei den Helfern von "Children with spezial needs" in Key Largo im US-Bundesstaat Florida per Delfin-Therapie behandeln zu lassen.

Seitdem engagiert sich Schwarzer als Botschafter für die Selbsthilfegruppe, deren Schirmherrschaft der Schwimmer Christian Keller übernommen hat und freut sich besonders, dass das Mädchen erste Fortschritte macht. Inzwischen kann sie sogar kleine Dinge festhalten. "Ich habe selbst einen Sohn und freue mich jeden Tag, dass er gesund ist", meinte Schwarzer.

Im Kampfs ums Finale gegen Russland im Helliniko Olympic Complex muss sich der 100-Kilo-Mann, der eine gewisse Vorliebe für Fast-Food hat, wieder von seiner harten Seite zeigen. "Da stehen in der Abwehr eine Menge Zwei-Meter-Kanten rum. Da habe ich auch nicht mehr Freiräume als im Spiel gegen Frankreich. Doch wir haben genug taktische und technische Möglichkeiten, diese Abwehr zu knacken", sagte der gebürtige Braunschweiger, der 2000 beim FC Barcelona das Triple mit Champions League, Landespokal und Meistertitel geschafft hatte.

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