Blair glaubt weiter an Massenvernichtungswaffen
Starke Kritik an Blair und Bush wegen Irak-Kriegsbegründung

Die USA und Großbritannien stehen fast zwei Monate nach dem Irak-Krieg wegen des Kriegsgrundes der Massenvernichtungswaffen immer stärker im Kreuzfeuer der Kritik.

HB/dpa WASHINGTON/LONDON/BAGDAD. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten die Gefährdung durch diese Waffen dramatisiert. Die vor drei Wochen aus Protest gegen den britischen Premierminister Tony Blair zurückgetretene Entwicklungsministerin Clare Short warf ihm vor, die Öffentlichkeit hinsichtlich der Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen "betrogen" zu haben.

Die britische Zeitung "Guardian" berichtete am Samstag, US- Außenminister Colin Powell und sein britischer Amtskollege Jack Straw hätten Anfang Februar selbst starke Zweifel am Beweismaterial geäußert. Das britische Außenministerium in London bezeichnete den Bericht als "schlicht unwahr".

Blair bestritt, die Öffentlichkeit hinters Licht geführt zu haben: "Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass Saddam Massenvernichtungswaffen gehabt hat", sagte er in einem des britischen Fernsehsenders Sky News. "Das ist der Grund, warum wir zwölf Jahre UN - Resolutionen gehabt haben. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir die Beweise zusammenstellen und veröffentlichen. Ich habe absolut keinen Zweifel daran, dass wir diese Beweise finden werden."

Große Aufmerksamkeit fanden kritische Äußerungen von Bundesaußenminister Joschka Fischer beim Treffen in St. Petersburg. Die "Mail on Sunday" zitierte ihn auf der Titelseite mit den Worten: "Ich habe sehr deutlich gemacht, dass wenn es keine Massenvernichtungswaffen geben sollte, er, Tony Blair, zugeben sollte, dass er Geheimdienst-Berichte missbraucht und die Weltöffentlichkeit fehlgeleitet hat."

Ex-Ministerin Short sagte dem "Sunday Telegraph", Blair habe die Informationen der britischen Geheimdienste zum irakischen Waffenarsenal aufgebauscht. Er habe ein "Gefühl der Dringlichkeit" erzeugen wollen. "Ich glaube, wir sind betrogen worden", kritisierte sie.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, der Krieg sei nicht unter einem falschen Vorwand geführt worden. Rumsfeld sagte in einem Rundfunkinterview: "Ich kann Ihnen versichern, dass dieser Krieg nicht unter irgend einem falschen Vorwand geführt wurde." Das Pentagon relativierte Äußerungen von Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz, der vom Magazin "Vanity Fair" mit den Worten zitiert wird, die USA hätten sich bei ihrer Argumentation für einen Irak- Krieg aus "bürokratischen Gründen" auf Massenvernichtungswaffen konzentriert. Dies sei ein Grund gewesen, dem alle hätten zustimmen können. In einem Interview mit der "Washington Post" betonte Wolfowitz aber später, es habe einwandfreie Geheimdienst-Erkenntnisse über die irakischen Massenvernichtungswaffen gegeben.

Eine neue Spezialtruppe mit bis zu 1 400 Experten aus den USA, Großbritannien und Australien soll nun die bisher erfolglose Suche nach biologischen und chemischen Waffen im Irak fortsetzen.

Das irakische Handelsministerium begann unterdessen unter Aufsicht der US-Zivilverwaltung erstmals seit Kriegsbeginn wieder offiziell mit der Verteilung von Lebensmitteln an die Bevölkerung. Mehr als 16 der 24 Millionen Iraker sind nach UN-Schätzungen gänzlich auf die staatlichen Lebensmittelrationen angewiesen.

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