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Blair: Informationen über Saddams Waffen waren falsch

In einer von Protesten unterbrochenen Rede auf dem Labour-Parteitag in Brighton hat der britische Premierminister Tony Blair am Dienstag Fehler bei der Rechtfertigung des Irak-Kriegs eingeräumt.

dpa LONDON/BRIGHTON. In einer von Protesten unterbrochenen Rede auf dem Labour-Parteitag in Brighton hat der britische Premierminister Tony Blair am Dienstag Fehler bei der Rechtfertigung des Irak-Kriegs eingeräumt.

"Die Beweise, wonach Saddam tatsächlich biologische und chemische Waffen besaß - und nicht nur die Fähigkeit, sie zu entwickeln -, haben sich als falsch herausgestellt", sagte Blair. Die Delegierten reagierten auf das Eingeständnis mit Applaus. Blair hatte den Irak-Krieg vor allem damit begründet, dass Präsident Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze, die langfristig auch Großbritannien bedrohten. "Einschätzungen sind nicht das gleiche wie Fakten", sagte er nun. "Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch, ich kann mich irren."

Er blieb aber dabei, dass der Irak-Krieg richtig gewesen sei: "Das Problem ist, ich kann mich für die Informationen entschuldigen, die sich als falsch erwiesen haben, aber ich kann mich nicht - jedenfalls nicht aufrichtig - für den Sturz von Saddam entschuldigen", sagte er. "Die Welt ist ein besserer Ort mit Saddam im Gefängnis statt an der Macht."

Blairs Rede, die von britischen Medien als eine der wichtigsten seiner Amtszeit beschrieben worden war, wurde von den Delegierten mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Allerdings wurde sie zwei Mal durch laute Zwischenrufe unterbrochen. Ein 43-jähriger Kriegsgegner rief: "Sie haben Blut an Ihren Händen!" Der Mann wurde von einer großen Mehrheit der Delegierten ausgebuht und kurz darauf abgeführt.

Blair gab zu, dass seine Irak-Politik ein "Vertrauensproblem" verursacht habe. Viele meinten, er habe nur so gehandelt, um sich bei US-Präsident George W. Bush anzubiedern. Doch in Wahrheit sei er zutiefst davon überzeugt, dass der internationale Terrorismus die größte Gefahr für die Briten im 21. Jahrhundert sei.

An einem Tag, an dem im Irak zwei britische Soldaten getötet worden waren und das Schicksal des in Bagdad entführten Briten Kenneth Bigley ungewiss blieb, prophezeite Blair den Delegierten anhaltende Kämpfe. Er appellierte an alle Kriegsgegner, jetzt "dem irakischen Volk beizustehen, bis die Arbeit getan ist".

Dabei unterstrich er jedoch: "Militäraktionen werden nutzlos bleiben, wenn wir uns nicht mit den Bedingungen auseinander setzen, unter denen Terrorismus entsteht." Er versprach, den Friedensprozess im Nahen Osten zu seiner "persönlichen Priorität" zu machen: "Zwei Staaten, Israel und Palästina, die Seite an Seite in dauernhaftem Frieden leben, würden mehr zu einer Niederlage des Terrorismus beitragen, als es Kugeln jemals können."

Der am längsten ohne Unterbrechung regierende Labour-Premier der britischen Geschichte zeigte sich von einem dritten Sieg seiner Partei bei der Unterhauswahl voraussichtlich im nächsten Mai überzeugt. Ausführlich schilderte er die wirtschaftspolitischen Erfolge seiner Regierung. Großbritannien habe in den vergangenen Jahren Frankreich überrundet und sei zur viertgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen. "Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit 30 Jahren." Seinen Finanzminister Gordon Brown, der als parteiinterner Rivale gilt, pries Blair als "persönlichen Freund seit 20 Jahren" und "besten Schatzkanzler, den das Land je gehabt hat".

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