Blair: Können nicht nachgeben
Großbritannien: Harte Fronten im Feuerwehr-Streik

In dem seit vier Tagen andauernden Feuerwehrstreik in Großbritannien bleiben die Fronten zwischen der Gewerkschaft FBU und der Labour-Regierung hart. Premierminister Tony Blair wies am Montag in einer Fernsehansprache zweistellige Lohnforderungen der Feuerwehrleute zurück. "Das ist nicht bezahlbar", warnte Blair.

HB/dpa LONDON. "Wir können nicht nachgeben, weil die wirtschaftliche Stabilität ansonsten fundamental geschädigt würde." Die Aufgaben der rund 50 000 britischen Feuerwehrleute haben 19 000 Soldaten übernommen, denen aber nur veraltetes Gerät bei der Brandbekämpfung zur Verfügung steht. Seit Beginn des Streiks starben bei Bränden in Großbritannien sechs Menschen.

Blair machte unmissverständlich klar, dass jede Lohnanhebung von mehr als vier Prozent an Veränderungen des Arbeitssystems bei der Feuerwehr gekoppelt sei: "Alles über vier Prozent muss durch diese Modernisierung finanziert werden", sagte der Regierungschef, der sich erstmals persönlich in den Streit einschaltete. Die Gewerkschaft FBU war ursprünglich mit einer Forderung von 40 % mehr Lohn in den Arbeitskampf gegangen, hatte sich dann aber mit den kommunalen Arbeitgebern auf eine Erhöhung von 16 % in zwei Jahren verständigt. Eine Einigung war in letzter Minute an der Ablehnung der Regierung gescheitert.

Finanzminister Gordon Brown sieht bei einem Nachgeben der öffentlichen Arbeitgeber eine Kostenlawine auf sich zukommen. Allein die 16-prozentige Anhebung würde nach seinen Berechnungen Mehrkosten von bis zu 450 Mill. Pfund (711 Mio Euro) verursachen. Würden sich alle anderen Beschäftigungsgruppen im öffentlichen Dienst - etwa Krankenschwestern, Polizisten oder Lehrer - diese Forderung zu Eigen machen, entstünden nach Angaben der Regierung Mehrkosten von insgesamt vier Mrd. Pfund (6,3 Mrd. Euro).

"Auf Grund unserer wirtschaftlichen Stabilität haben wir die niedrigste Arbeitslosenquote aller Industrieländer und die geringste Inflationsrate seit Jahrzehnten", stellte Blair fest. Dies dürfe nun nicht gefährdet werden. Der Streik gilt als schwerster Arbeitskonflikt seit dem Antritt der Labour-Regierung von Tony Blair im Mai 1997. Die Auseinandersetzung wird in der britischen Presse zunehmend mit dem Bergarbeiterstreik von 1984 bis 1985 verglichen. Damals brach Premierministerin Margaret Thatcher mit ihrer harten Haltung die Macht der großen Industriegewerkschaften.

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