Blair und Aznar bekräftigen Vorwürfe gegen Regime in Bagdad
Fischer sieht gute Chance für friedliche Irak-Lösung

Unmittelbar vor der Sitzung des Weltsicherheitsrats zum Irak hat sich Bundesaußenminister Joschka Fischer optimistisch über eine gewaltfreie Lösung des Konflikts geäußert. Er sehe "gute Chancen, die Ziele, die in (der Resolution) 1441 formuliert wurden, ohne den Einsatz von Gewalt umzusetzen", sagte Fischer am Mittwoch. Dazu brauchten die UN-Waffeninspekteure im Irak Zeit, sagte er dem ZDF.

HB/dpa NEW YORK/KAIRO. US-Außenminister Colin Powell wollte vor dem Sicherheitsrat den Irak belastendes Material präsentieren. UN-Chefinspekteur Hans Blix meinte, er habe bisher keine Beweise, dass der Irak vor den Waffeninspektionen Material beiseite geschafft habe. Fischer, der die Sitzung des höchsten UN-Gremiums erstmals als Präsident leiten wollte, traf kurz zuvor mit Blix und dem französischen Außenminister Dominique de Villepin zusammen. Anschließend wollte er mit Powell und UN-Generalsekretär Kofi Annan unter vier Augen sprechen.

Der spanische Ministerpräsident José María Aznar sprach von einem "tödlichen Waffenarsenal", das der Irak besitze. Dies bestehe aus mehreren Tonnen chemischer und biologischer Kampfstoffe, darunter 8500 Liter des Milzbranderregers Anthrax, schrieb Aznar in einem Beitrag für die spanische Tageszeitung "ABC". Zudem verfüge die irakische Führung über Senfgas, Sarin und das Nervengas VX.

Der britische Premierminister Tony Blair sagte in London, es gebe eine "unbestreitbare" Verbindung zwischen dem Terrornetzwerk El Kaida und dem Regime in Bagdad. Dagegen hatte die BBC zuvor berichtet, in einem Blair vorgelegten Geheimdienstpapier würden derartige Verbindungen ausgeschlossen. Daraus gehe hervor, dass El-Kaida-Chef Osama bin Laden die im Irak regierende Baath-Partei im Gegensatz zu seinen religiösen Ansichten sehe. Anfängliche Kontakte seien an "Misstrauen und unvereinbaren Ideologien" gescheitert.

Auch Powell wollte im Sicherheitsrat nachzuweisen versuchen, dass die Führung des Iraks Verbindungen zur El-Kaida-Organisation hat. Powell wollte bislang skeptische Mitglieder des Gremiums überzeugen, dass der Irak zwangsweise entwaffnet werden muss, um die Welt vor fatalen Konsequenzen zu bewahren.

Der irakische Präsident Saddam Hussein bestritt in einem Gespräch in Bagdad mit dem langjährigen Labour-Abgeordneten Tony Benn sowohl den Besitz von Massenvernichtungswaffen als auch jegliche Beziehungen zu El Kaida. Das Gespräch wurde am Dienstag vom britischen Privatsender Channel vier ausgestrahlt.

Blix sagte in einem Interview der arabischen Zeitung "Al-Hayat" (Mittwoch): "Ich habe keine Beweise gesehen, die zeigen, dass Material von den Anlagen weggebracht wurde (bevor die Waffeninspekteure sie durchsuchen konnten)." Auch die amerikanische Behauptung, die Iraker produzierten Biowaffen in mobilen Labors, sei bislang nicht bewiesen. Es sei nun wichtig, dass der Irak Aufklärungsflüge und die vertrauliche Befragung irakischer Wissenschaftler im In- oder Ausland ermögliche.

In Brüssel forderte die Europäische Union den Irak dringend zur Abrüstung seiner Massenvernichtungswaffen auf und warnte das Regime in Bagdad erstmals vor einem Ablauf der Zeit. Wenn der Irak seine letzte Gelegenheit zur friedlichen Entwaffnung nicht ergreife, trage er die Verantwortung für alle Konsequenzen, hieß es in der am Mittwoch in Brüssel vorgelegten Stellungnahme.

In den arabischen Golfstaaten arbeiteten Behörden und ausländische Botschaften auf Hochtouren an Sicherheitsmaßnahmen und Evakuierungsplänen für den Fall eines neuen Irakkrieges. Ab dem 15. Februar will die kuwaitische Regierung 60 % des Staatsgebiets zur militärischen Sperrzone erklären. In Bahrain sollen Mehrzweckhallen von Schulen zu Notunterkünften und Lazaretten umgebaut werden, berichtete die bahrainische Zeitung "Al-Ayam"

Fischer wird am Donnerstag in Rom mit seinem italienischen Amtskollegen Franco Frattini sowie Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi über den drohenden Militärschlag gegen Bagdad beraten. In Brüssel will der NATO-Rat über Möglichkeiten zur Unterstützung der USA im Falle eines Kriegs gegen den Irak beraten. Das türkische Parlament stimmt am selben Tag über den Ausbau von Luftstützpunkten und Häfen ab, die die US-Regierung für einen Militärschlag gegen den Irak modernisieren und nutzen will.

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