Blamage für USA
Deutsche Korbjäger schreiben Geschichte

Die Riesen tanzten wie die Kinder und konnten ihr Glück kaum fassen: Deutschlands Basketballer haben mit dem Gewinn der ersten Weltmeisterschaftsmedaille überhaupt den Sprung in die Weltspitze bravourös vollzogen. Auch wenn das Finale verpasst wurde, zählten die Asse des Deutschen Basketball Bundes (DBB) mit dem 117:95 (71:48)-Sieg im Spiel um den dritten Platz am Sonntagabend gegen Neuseeland zu den großen Gewinnern der 14. Weltmeisterschaft.

dpa INDIANAPOLIS. Die Riesen tanzten wie die Kinder und konnten ihr Glück kaum fassen: Deutschlands Basketballer haben mit dem Gewinn der ersten Weltmeisterschaftsmedaille überhaupt den Sprung in die Weltspitze bravourös vollzogen. Schon lange vor dem Ende wurde auf der deutschen Bank gefeiert: Die Bronzemedaille ist mindestens auf eine Stufe mit dem EM-Triumph von München 1993 zu stellen. Nach den Pleiten der beiden ersten WM- Teilnahmen 1986 (Vorrunden-K.o.) und 1994 (12.) gaben die Deutschen auf der WM-Bühne von Indianapolis mit attraktiven und erfolgreichen Spielen eine glänzende Figur ab. An diesem Fazit ändert auch die 80:86-Halbfinal-Niederlage gegen Argentinien nichts.

Die größten Verlierer waren indes die Amerikaner. Ausgerechnet bei der WM im eigenen Land blamierten sich die NBA-Profis. Nach ihrer 75:81-Niederlage gegen Spanien belegten sie nur Rang sechs. Dies ist die schlechteste WM-Platzierung eines US-Teams seit 1950. Die Gastgeber mussten mit ansehen, wie am Sonntag Argentinien und Jugoslawien um den eigentlich für sie "reservierten" Titel spielten.

Während die Amerikaner schamvoll vom Feld schlichen, waren die Deutschen voller Stolz. "Das war ganz großer Sport, den wir hier gezeigt haben. Wir können hoch erhobenen Hauptes nach Hause fliegen, denn wir haben ein großes Ziel erreicht. Wenn ich vorher gesagt hätte, wir kommen ins WM-Halbfinale, wäre ich für verrückt erklärt worden. Aber so ist ein Traum in Erfüllung gegangen", zog DBB- Präsident Roland Geggus (DBB) schon vor dem "kleinen Finale" seine überaus positive WM-Bilanz.

Auch der deutsche NBA-Star Dirk Nowitzki war trotz des knapp verpassten Einzuges ins Finale zufrieden. "Es ist zwar bitter, dass wir den letzten Schritt nicht machen konnten, aber wir können stolz auf das sein, was wir hier erreicht haben. Das hatte uns vorher wirklich keiner zugetraut", meinte der 24-jährige "All Star" der Dallas Mavericks, der mit durchschnittlich 24 Punkten bester Korbjäger der WM war und dieses Prädikat auch im anschließenden Finale nicht mehr verlieren konnte. "Jetzt wollen wir uns bei der EM 2003 auch für Olympia in Athen qualifizieren. Das ist eines meines größten Ziele", gab Nowitzki schon die Marschroute für die Zukunft vor.

Die Schützlinge von Bundestrainer Henrik Dettmann ließen gegen Neuseeland von Beginn an keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie nicht ohne Medaille abreisen wollten. Mit der sagenhaften Trefferquote von 77 % legten sie bereits mit dem 74:48 zur Pause den Grundstein für den Sieg. Danach tanzten sie die Neuseeländer aus, ließen Ball und Gegner laufen. Im vierten Viertel Stand auf jedem Gesicht die Vorfreude auf die Siegesfeier. Der überragende Nowitzki erzielte insgesamt 29 Korbpunkte, Ademola Okulaja steuerte 21, Marco Pesic elf und Mithat Demirel zehn bei. Für Neuseeland, das trotz der Niederlage ebenfalls zu den großen Überraschungen und Gewinnern der Titelkämpfe zählte, traf Phil Jones (26) am besten.

Gegen Argentinien, das defensiv stärkste und bis zum Finale allein unbesiegte Team der WM, erzielte der 2,11 m große Würzburger Nowitzki zwar auch 24 Punkte, benötigte aber zu seinen acht Feldkörben 26 Versuche. Der künftig für Unicaja Malaga spielende Okulaja (18) und der Berliner Spielmacher Demirel (17) unterstützten ihren Star mit zusammen sechs "Dreiern" zwar nach Kräften. Doch diese ließen in der packenden Schlussphase ebenso nach wie die Konzentration bei ihren missglückten Einzel-Aktionen. "Wir haben 36 Minuten lang unsere Strategie eingehalten, eine gute Defensive zu spielen. Am Ende aber waren sie so begeistert, Körbe zu erzielen, statt Körbe zu verhindern", analysierte Dettmann die vermeidbare Niederlage.

Schon einmal hatte fehlende Abgeklärtheit mehr verhindert: Bei der in der Verlängerung erlittenen 78:79-Niederlage gegen die Türkei im Halbfinale der EM 2001 in Istanbul. Damals flogen die Deutschen ohne die zum Greifen nahe Medaille nach Hause. Dieses Mal standen sie nach der Halbfinal-Niederlage wieder auf und wurden so der Forderung von Dettmann gerecht: "Gute Mannschaften lernen aus ihren Fehlern. Das haben meine Jungs dieses Mal bewiesen, als sie sich mit großer Willenskraft und großem Enthusiasmus doch noch ihren Medaillentraum erfüllt haben."

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