Blamage gegen die DDR
Deutschland 1974: ”Kaiser” Franz gegen ”König” Johan

Deutschland war 1974 zum ersten Mal Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft - und durfte den neuen Worldcup präsentieren. Nach einer kläglichen Vorrunde machte das deutsche Team schließlich doch noch den zweiten WM-Titel nach 1954 perfekt.

dpa HAMBURG. Fans, Medien und Buchmacher waren sich sicher, den ersten Gewinner des 4 970 Gramm schweren und aus 18-karätigem Gold gefertigten Pokals schon vor dem ersten Spiel zu kennen: Gastgeber Deutschland. Doch das Unternehmen Titelgewinn begann mit einem Hauskrach im Vorbereitungslager Malente, wo der DFB die aus heutiger Sicht bescheidene Forderung der Spieler nach 100 000 Mark Titelprämie auf 60 000 Mark drückte. Es folgte eine klägliche Vorrunde, nach der das Team von "Kaiser" Franz Beckenbauer im Finale gegen "König" Johan Cruyffs Niederländer nur Außenseiter war.

Das Glück blieb den Deutschen beim 2:1 im Münchner Olympiastadion aber treu. Während Cruyff und Co. den Weg ins Endspiel leicht und locker, mit spielerischer Eleganz und stürmischen Angriffen absolvierten, blamierte sich Helmut Schöns Team nach den Spielen gegen Chile (1:0) und Australien (3:0) am 22. Juni im Hamburger Volksparkstadion bis auf die Knochen: Jürgen Sparwassers Tor zum 1:0-Sieg für die DDR riss das bundesdeutsche Fußball-Volk aus allen Träumen.

Die Niederlage wurde indes zum heilsamen Schock. Franz Beckenbauer gewann als Kapitän Charisma, stauchte seine Mannschaft derart heftig und zudem öffentlich zusammen, dass es selbst dem maßlos enttäuschten Dresdner Helmut Schön zu viel wurde. Auf des "Kaisers" Geheiß aber kamen Reiner Bonhof und Bernd Hölzenbein in die Elf - Bernd Cullmann und Jupp Heynckes flogen raus. Es folgten ein 2:0 gegen Jugoslawien, ein 4:2 gegen Schweden und ein 1:0 in der als "Wasserschlacht" in Erinnerung gebliebenen Partie gegen Polen. Das Finale war erreicht.

Auf das Duell "Kaiser" Franz gegen "König" Johan war die ganze Welt gespannt. Cruyff holte bereits nach einer Minute einen Elfmeter heraus, den Neeskens zum 1:0 ins Tor hämmerte, und sah sich am Ziel. Eine fatale Fehleinschätzung. Denn der überragende Libero Beckenbauer mobilisierte den Kampfgeist seiner Mannen, und die bäumten sich auf. Nach Hölzenbeins "Schwalbe" glich Paul Breitner kaltschnäuzig per Strafstoß aus.

Als Gerd Müller dann eine Minute vor dem Seitenwechsel, umringt von drei Niederländern, mit dem Rücken zum Tor den Ball stoppte, sich im beispielloser Manier drehte und unhaltbar zum 2:1 einschoss, kannte der Jubel keine Grenzen. Die Entscheidung war gefallen. Denn trotz eines furiosen Sturmlaufs der Niederländer in der zweiten Halbzeit brachte die deutsche Mannschaft mit Glück und Geschick den Sieg über die Zeit. Der zweite WM-Titel nach 1954 war perfekt.

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