Blatter fordert Ende des Machtkampfes
Mayer-Vorfelder in Fifa-Exekutive gewählt

Gerhard Mayer-Vorfelder hat einen bedeutenden persönlichen Wahlerfolg errungen und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach vierjähriger Abstinenz wieder einen Platz im wichtigsten Fußball-Gremium beschert.

dpa STOCKHOLM. Der DFB-Präsident wurde am Donnerstag beim Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mit einem überwältigenden Ergebnis ins Exekutiv-Komitee des Weltverbandes FIFA gewählt. Der 68-jährige Mayer-Vorfelder, der schon von 1992 bis 1998 der FIFA-Exekutive angehört hatte, erhielt bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Im Rampenlicht der Veranstaltung stand auch Franz Beckenbauer, der für seine Verdienste um den Fußball mit dem diamantenen Orden ausgezeichnet wurde.

"Das ist ein brillantes Ergebnis, über das ich mich riesig freue", sagte der sichtlich gerührte Mayer-Vorfelder nach dem Votum der 51 UEFA-Mitgliedsverbände. Der Wahlerfolg war in erster Linie das Ergebnis einer guten und intensiven Vorbereitung. Gerade daran hatte es bei dem Multi-Funktionär vor vier Jahren in Dublin gefehlt, als er völlig überraschend gegen den Malteser Joseph Mifsud verloren hatte. Als Hauptziel nannte der für vier Jahre gewählte Mayer-Vorfelder: "Ich werde mit aller Konsequenz die Interessen Europas vertreten. Und ich will, dass sich FIFA und UEFA wieder etwas näher kommen."

Davon waren die heillos zerstrittenen Verbände in Stockholm aber meilenweit entfernt. Im Mittelpunkt des 26. UEFA-Kongresses stand denn auch das direkte Aufeinandertreffen der Hauptpersonen im eskalierten Fußball-Machtkampf: FIFA-Chef Joseph Blatter, sein Herausforderer Issa Hayatou und der UEFA-Vorsitzende Lennart Johansson.

Als Sieger durfte sich am Ende vor allem der vornehmlich von der amtierenden UEFA-Spitze angegriffene Blatter fühlen. Denn die in die FIFA-Exekutive gewählten Mayer-Vorfelder, Angel Miguel Villar Llona (Spanien) und Michel Platini (Frankreich) gelten allesamt als ihm wohlgesonnene Funktionäre, dagegen wurde mit Per Ravn Omdal (Norwegen) ein erklärter Blatter-Gegner sang- und klanglos abgewählt. "Die Wahlen sind sehr positiv für den Fußball, die FIFA und meine Administration", frohlockte Blatter denn auch.

Zuvor war er in seiner Ansprache sichtlich angespannt gewesen. In einem eindringlichen Appell hatte er die "Solidarität in der Fußball- Familie" angemahnt und zugleich den Vorwurf des anti-europäischen Verhaltens zurückgewisen. "Gestatten Sie mir die Gelegenheit, ein für alle Mal Gerüchte aus der Welt zu schaffen, ich wolle Europas Bedeutung reduzieren. Ich wäre sehr dumm, wenn ich dies täte", sagte der Schweizer, der allerdings ebenso wie Hayatou nur mit dürftigem Applaus bedacht wurde.

Daran änderte auch Blatters Aufruf für die Rückkehr zu einem respektvollen Umgang miteinander nichts. "Ich appelliere an Sie: Wir brauchen Einheit, Solidarität, Demokratie in einer Zeit, in der die Situation außer Kontrolle zu geraten droht für die, die für den Fußball zuständig sind", sagte der 66-Jährige.

Der Kameruner Issa Hayatou, der Blatter bei der Wahl am 29. Mai in Seoul stürzen will, untermauerte indes in einer farblosen Rede seine Kritik an der FIFA-Spitze. "Es gibt Dinge in der FIFA, die nicht mehr im Gleichgewicht sind und korrigiert werden müssen", sagte der Präsident des Afrikanischen Fußball-Verbandes und versprach: "Ich setze mich für traditionelle Werte ein: Ausbildung, Transparenz, Modernität und demokratische Führung."

Wie Blatter und Hayatou war auch Johansson, der mit stehend dargebrachten Ovationen für vier weitere Jahre im Amt bestätigt wurde, nach den harschen Angriffen der Vortage um eine moderate Wortwahl bemüht. Aus seinen Haltung pro Hayatou und contra Blatter aber machte der 72-jährige Schwede keinen Hehl. Ebenso wenig aus seiner Sorge, die FIFA-Schulden nach dem Konkurs des Marketing- Partners ISL könnten weitaus größer sein als von Blatter angegeben. Dem widersprach Blatter am Donnerstag erneut: "Die Finanzen der FIFA sind klar und sauber."

Auf jeden Fall schwimmt die UEFA - vor allem dank der Einnahmen aus der Champions League - regelrecht im Geld. Im Geschäftsjahr 2000/01 erwirtschaftete der Kontinental-Verband einen Brutto-Gewinn von 66,5 Mill. Schweizer Franken (44,3 Mill. Euro) und hat inzwischen ein Vermögen von 485 Mill. Franken (330 Mill. Euro) angehäuft. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte der niederländische UEFA-Schatzmeister Jeu Sprengers erneut ein positives Ergebnis an, das jedoch durch die Folgen der Terroranschläge vom 11. September belastet werde.

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