Blatter übt heftige Kritik an UEFA-Präsident
Klage gegen Blatter wegen Millionenverlust

Der interne Machtkampf im Fußball-Weltverband FIFA wird jetzt vor Gericht ausgetragen. Fünf Vizepräsidenten und weitere sechs Mitglieder des Exekutiv-Komitees haben am Freitag in Zürich Klage gegen Verbandspräsident Joseph Blatter eingereicht, dem Amtsmissbrauch und Misswirtschaft vorgeworfen werden.

dpa ZÜRICH. «Wir haben diesen Schritt im Hinblick auf den Bericht des Generalsekretärs vom vergangenen Freitag unternommen», hieß es in einer unter anderem von UEFA-Präsident Lennart Johansson (Schweden) und dem afrikanischen Verbandschef und Blatter-Gegenkandidaten Issa Hayatou aus Kamerun verbreiteten Erklärung. Michael Zen-Ruffinen hatte Blatter der Korruption und des Betrugs beschuldigt.

Der finanzielle Verlust der FIFA durch den Konkurs ihres ehemaligen Schweizer Marketing-Partners ISL/ISMM beläuft sich auf 51 Mill. Schweizer Franken (35,1 Mill. Euro). Diese Summe nannte Blatter im Beisein des Konkursverwalters vor Journalisten in Zürich. «Damit sind die astronomischen und völlig unrealistischen Summen, die von anderen Quellen immer wieder genannt wurden, vom Tisch», sagte Blatter.

Nach der Insolvenz der Agentur, die die außereuropäischen TV- Rechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 für 1,4 Mrd. Franken erworben hatte, im Frühjahr 2001 waren Befürchtungen laut geworden, der finanzielle Schaden für die FIFA könne sich auf weit mehr als 100 Mill. Franken belaufen. Wegen der lange Zeit ungeklärten Finanzlage des Weltverbandes hatte das Exekutivkomitee im März dieses Jahres gegen den Willen Blatters einen Untersuchungsausschuss zur Prüfung der Bücher eingesetzt. Diese Ad hoc-Kommission hatte der FIFA-Präsident wenig später eigenmächtig suspendiert und damit die Spaltung des Weltverbandes in zwei Lager vorangetrieben.

Nach Angaben der FIFA vom Freitag zahlt der Verband jeweils 13,4 Mill. Franken an ISL und ISMM. Ihre Forderungen im Konkursverfahren reduzierte der Weltverband auf 50 Mill. (ISMM) beziehungsweise 1 Mill. (ISL) Schweizer Franken. Beide Forderungen seinen in der jeweiligen Höhe anerkannt worden. Die Vereinbarung ist noch nicht rechtskräftig.

Unterdessen denkt Blatter nicht daran, seinen Widersacher Zen- Ruffinen zu entlassen. «Diesen Gefallen will ich meinen Gegnern nicht tun», sagte er in einem Interview mit der schweizerischen Tageszeitung «Blick» (Freitag-Ausgabe). «Die warten doch nur darauf, dass ich Zen-Ruffinen entlasse. Und nachher sagen sie, ich hätte den Letzten rausgeworfen, der im FIFA-Haus noch die Wahrheit kenne.»

Der Generalsekretär habe aber vom Dringlichkeitskomitee der FIFA die Auflage bekommen, sich fortan neutral zu verhalten. «Zudem darf er ohne meine Erlaubnis keine Medienkontakte mehr haben. Er hätte niemals öffentlich Schlussfolgerungen aus seinem Dossier ziehen dürfen», rechtfertigte Blatter in dem Interview den «Maulkorb» für Zen-Ruffinen. Juristische Konsequenzen befürchtet der Walliser nicht: «Mein Anwalt hat mir versichert, dass ich mir wegen des Dossiers von Michel Zen-Ruffinen keine Sorgen machen müsse.»

Im Zusammenhang mit der Klage sprach der FIFA-Chef erneut von einer «traurigen Verschwörung», die gegen ihn angezettelt worden sei. «Das sind die paar Leute aus Europa, die Stimmung gegen mich machen, immer die gleichen.» Aber die Gruppe sei bereits kleiner geworden. Der Russe Wjatscheslaw Koloskow und der Spanier Angel Maria Villar Llona beteiligten sich beispielsweise nicht mehr.

Heftige Kritik übte Blatter an dem Präsidenten des europäischen Dachverbandes UEFA, Lennart Johansson, der sich nicht an die im Herbst vergangenen Jahres getroffene Vereinbarung gehalten habe, ihn bei seiner Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten zu unterstützen. Für diese Zusage des Schweden habe er Michel Platini davon überzeugt, «noch nicht als UEFA-Boss zu kandidieren». Von einem «Gentleman» könne er im Zusammenhang mit Johansson «jetzt wohl nicht mehr reden», so Blatter. Die Neuwahl des FIFA-Präsidenten steht am 29. Mai in Seoul an.

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