Blei an den Bilanzen der Geldhäuser
Kommentar: Talfahrt wenigstens beendet

Es ist extrem schwer geworden, im deutschen Bankgeschäft Gewinne zu machen. Rezessionsgefahr, Pleitewelle, Börsenflaute, Kriegsangst und hohe Betriebskosten hängen wie Blei an den Bilanzen der Geldhäuser.

HB FRANKFURT. Während die Commerzbank am vergangenen Mittwoch erwartungsgemäß eingestehen musste, tief in roten Zahlen zu stecken, hat es die Deutsche Bank nun immerhin geschafft, einen bescheidenen Gewinn auszuweisen. Mit 397 Millionen Euro liegt das Konzernergebnis nach Steuern in der Nähe der Analystenerwartungen, wenn auch knapp darunter.

Wenig entzückt werden die Analysten sein, wenn sie in der Gewinn- und Verlust-Rechnung eine Zahl entdecken, die in der Pressemitteilung verschwiegen wird: Im vierten Quartal fuhr der deutsche Branchenprimus doch noch einen Verlust von 105 Millionen Euro ein, der freilich nur einem Bruchteil des Verlusts im vierten Quartal 2001 in Höhe von 836 Millionen Euro entspricht. Für ein Unternehmen, das weltweit zu den führenden Finanzgruppen gehören will, das immer noch rund 77 500 Mitarbeiter beschäftigt, sind diese Zahlen ein Jammer. Auch deswegen, weil der Bilanzgewinn am Ende nur mit Hilfe massiver Beteiligungsverkäufe zustande kam.

Dennoch: Die Flasche ist halb voll, nicht halb leer. Die Deutsche Bank und ihr seit Mai 2002 amtierender Chef Josef Ackermann haben offenbar die Talfahrt beendet und beginnen mit dem Wiederaufstieg. Die Risikovorsorge und das Volumen fauler Kredite sinken deutlich. Auch die Kosten haben sich schneller als geplant reduziert. Das Privatkundengeschäft, vor zwei Jahren noch ein echtes Problem, verdient endlich wieder gutes Geld, während das einstmals besonders gewinnträchtige Investmentbanking noch in den Seilen hängt.

Wie es dieses Jahr weitergeht, wird Josef Ackermann heute auf Presse- und Analystenkonferenzen erläutern. Zur Euphorie besteht kein Anlass. So lange sich das konjunkturelle Umfeld und damit der Kapitalmarkt nicht grundlegend verbessert, wird es schwer bleiben, an frühere Zeiten anzuknüpfen, als die Deutsche Bank Milliardengewinne erzielte.

Ob irgendwann der Anleger wieder Freude an der Deutschen Bank haben wird, hängt vor allem davon ab, ob Ackermann selbst in diesen schwierigen Zeiten und ohne das Versilbern weiterer Beteiligungen solide Erträge erwirtschaften kann. Noch sind die Börsianer skeptisch: Im ersten Ackermann-Jahr ist der Aktienkurs der Deutschen Bank um 40 Prozent eingebrochen. Das Ziel, den Börsenwert zu steigern, um international mitreden zu können, hat der Schweizer Chef der Deutschen Bank damit verfehlt. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
Handelsblatt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%