Blettner wirft Trittin Berufung unseriöser Wissenschaftler vor
Vorsitzende der Strahlenschutzkommission geht im Streit

Im Streit mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin gibt die Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Maria Blettner, ihr Amt auf. Blettner warf dem Grünen-Politiker einseitige Personalpolitik und die Berufung von Gesinnungsfreunden in das Beratungsgremium vor, wie die "Zeit" am Mittwoch berichtete. Das Umweltministerium bedauerte Blettners Schritt und wies ihre Vorwürfe zurück.

ap HAMBURG/BERLIN. Blettner war im Mai 1999 im Zuge von Neubesetzungen in der Strahlenschutz- und in der Reaktor-Sicherheits-Kommission (SSK) benannt worden. Ziel war nach Angaben des Umweltministeriums, die einst `stromlinienförmigen" Wissenschaftlergremien zu öffnen und mit Vertretern möglichst unterschiedlicher wissenschaftlicher Ansichten zu besetzen. Die Opposition hatte damals Kritik geübt.

Blettner sagte, Trittin erwarte nicht Beratung einer wissenschaftlichen Kommission, sondern die von Gesinnungsfreunden. Sie habe in den vergangenen Monaten kaum an wissenschaftlichen Fragestellungen arbeiten können, "weil das Trittin-Ministerium dauernd personalpolitisch an an der SSK herumoperiert hat".

Besonders kritisierte Blettner die Berufung des Strahlenmediziners Horst Kuni, die von dem Gremium mehrheitlich abgelehnt worden sei. Kuni habe seit Jahren nicht mehr in anerkannten Journalen publiziert und skandalisiere minimale Risiken, bemängelte sie. `Wenn er Recht hätte, müssten zum Beispiel alle Polizisten, die einem Castor-Behälter nahe kommen, demnächst tot umkippen. Das ist doch unseriös."

Kritik von CSU und FDP

Trittins Sprecher Michael Schroeren erklärte, Kuni sei nur als einer von 50 Wissenschaftlern in einen Ausschuss der SSK berufen worden, nicht aber als eines der 14 Kommissionsmitglieder. Ziel sei wiederum die wissenschaftliche Vielfalt gewesen. Die 14 Kommissionsmitglieder seien hingegen gerade bestätigt worden. "Es gibt keine Personalentscheidung, die zu (Blettners) Vorwurf passen würde", sagte Schroeren. Er betonte, dass die SSK völlig unabhängig arbeite.

Die Meinungsbildung über Blettners Nachfolge sei noch nicht abgeschlossen. Dazu werde es wahrscheinlich Anfang Juni eine Anhörung der Kommission geben, sagte Schroeren. Blettner sagte der "Zeit", sie werde sich nun ihrer eigenen Forschung zuwenden, "wissenschaftliche, saubere, anstrengende Studien, in denen etwas herausgefunden und nicht bloß herbeigeredet werden soll."

Der CSU-Umweltpolitiker Christian Ruck warf Trittin Mobbing vor. Durch die Berufung Kunis sei "die erforderliche fachlich fundierte ideologiefreie Beratung durch diese Kommission nicht mehr sicher gestellt". Auch die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Birgit Homburger, sprach von einem Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft. "Wir brauchen unabhängige Wissenschaftler, die uns in diesem Bereich beraten", sagte sie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%