Blick auf die Nachbarn
Die Schweiz im Vorteil

Dem Schweizer geht es noch gut. Er lebt in einem der reichsten Länder der Welt, die niedrigen Steuern tun nicht wirklich weh, und die Arbeitslosigkeit ist mit einer Rate von etwa 2,8 % erstaunlich gering.

jdh GENF. Auch bei den Sozialbeiträgen werden die Eidgenossen eher schonend behandelt. Dabei schlagen die Kosten für die Rente noch am stärksten zu Buche. Im Alter beziehen die Schweizer Einkünfte aus der staatlichen Altersrente, der betrieblichen Vorsorge und den individuell gesparten Mitteln. Dieser Vorsorgemix, das so genannte Drei-Säulen-Modell, ist ausgeglichener als das deutsche Pendant. Wissenschaftler der OECD und der Weltbank stellen dem System regelmäßig gute Noten aus, das Umlageverfahren spiele keine Hauptrolle.

Die erste Säule fußt auf einem Umlageverfahren. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen je 5 % der Lohnsumme ein. Eine Obergrenze für das Einkommen, auf das Beiträge zu zahlen sind, existiert nicht. Alle müssen beitragen: Angestellte, Selbstständige und Beamte. Die Schweizer dürfen aber nur eine staatliche Grundsicherung erwarten, mindestens 1 000, maximal rund 2 000 Franken monatlich. Ehepaare erzielen höchstens etwa 3 000 Franken. Da die karge staatliche Rente im Hochpreisland Schweiz gerade mal zum Überleben reicht, sind alle Arbeitnehmer verpflichtet, auch in betriebliche Fonds zur Alterssicherung einzuzahlen. Diese zweite Säule wird ebenfalls von den Arbeitgebern bedient. Die Beitragssätze, die je nach Trägereinrichtung stark variieren, liegen bei 7 bis 18 Prozent des versicherten Lohns. Die dritte Säule ist rein individuell. Diese private Vorsorge wird durch Steuererleichterungen attraktiv gemacht.

Bei allem Lob: Die staatliche Schweizer Altersvorsorge ist weitaus stärker als die deutsche ein Umverteilungssystem. Wegen unbegrenzter Beiträge, aber Mindest- und Höchstrenten mutieren die Rentenbeiträge ab einem bestimmten Einkommen zu einer puren Umverteilungssteuer. Dass die Schweizer sich noch nicht gegen diese Umverteilung aufgelehnt haben, liegt vor allem an den komfortabel niedrigen Steuersätzen und der weitaus geringeren Umverteilung bei Kranken- und Arbeitslosenkassen als in Deutschland. Für die Krankenkasse zahlt der Schweizer eine Kopfpauschale. Wer bis 107 000 Franken pro Jahr verdient, zahlt davon nur 1,5 % in die Arbeitslosenkasse.

Trotz der ausbalancierten Mischung zwischen Kapitaldeckung und Umlageverfahren bei der Rente verschärft sich auch in der Schweiz das demographische Dilemma: Immer weniger Beitragszahlern stehen immer mehr Empfänger gegenüber. Die Regierung in Bern befürchtet, dass der Bedarf der Schweizer Sozialversicherungen von heute rund 83 Mrd. Franken auf 129 Mrd. Franken im Jahr 2025 schießen wird. Wer das bezahlen soll, wissen die Eidgenossen noch nicht. Experten wie Rolf Lüpke, Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Unternehmen in Deutschland, empfehlen das Schweizer Modell dennoch: "Das ist ein echter Vorteil gegenüber Deutschland."

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