Blick auf polnisches Softwareunternehmen
Prokom profitiert von US-Deals

Das Software-Unternehmen Prokom Software S.A., auf das Analysten und Anleger zur Zeit verstärkt ihr Augenmerk richten, wird durch polnisch-amerikanische Freundschaft begünstigt. Schließlich hatte der amerikanische Präsident George W. Bush Polen als "Amerikas besten Freund in Europa" genannt. Und auch im Konflikt um den Irak-Krieg hielt Polen fest zu den USA. Das Land entsandte Soldaten und soll nun sogar eine eigene Besatzungszone im Irak verwalten.

WARSCHAU. Seine Treue zu Washington demonstrierte Polen, als es vor einigen Monaten 48 Kampfjets F-16 im Wert von 3,5 Mrd. Dollar beim US-Hersteller Lockheed-Martin orderte - und damit europäische Mitbewerber verprellte. Zu den Nutznießern dieses so genannten Offset-Geschäfts zählt allerdings der Software-Hersteller Prokom aus Gdynia. Denn im Gegenzug zu dem Rüstungsdeal hat Polen die Amerikaner zu Direktinvestitionen, Kaufzusagen und Beteiligungen an polnischen Technologie-Instituten verpflichtet - der Wert beträgt mehr als 6 Mrd. Dollar.

"Wenn ich den Begünstigten Nummer eins dieser Offset-Geschäfte nennen sollte, wäre das Prokom", sagt Pawel Puchalski, Senior-Analyst bei Raiffeisen Capital in Warschau. Zusammen mit seinem kleineren Konkurrenten Computerland hat sich Prokom im Rahmen der Gegengeschäfte die Beteiligung an drei großen IT- und Kommunikationsprojekten in Polen gesichert. Einer der US-Partner ist Motorola, das Volumen der Aufträge beträgt mehrere 100 Mill. Dollar. Weitere Einzelheiten sind vorerst geheim, sie sollen erst im August enthüllt werden.

Der größte Auftrag ist der Aufbau des Kommunikationssystems Tetra, das die Einsätze von Rettungs- und Sicherheitsdiensten im ganzen Land koordinieren soll. Allein dieser Auftrag hat ein geschätztes Volumen von 370 Mill. US-Dollar. Hinzu kommt ein Projekt für die Entwicklung eines Zentralen Registers für Medizinische Dienste in Polen (ca. 250 Mill. US-Dollar) und ein Krisenmanagement-System C2 (geschätzt auf 100 Mill. US-Dollar).

"Diese Offset-Geschäfte werden sich für Prokom wie ein Katalysator auswirken, sowohl für das Marktinteresse als auch für die Ergebnisse", prophezeit Sobieslaw Pajak, IT-Analyst bei CDM Pekao Securities. Und wenn im August die genauen Details der Geschäfte bekannt gegeben werden, werde damit auch die Spekulation eingedämmt.

Aber auch abgesehen von den Offset-Aufträgen werde Prokom hervorragend gemanagt und sei gut aufgestellt, sagt Pawel Puchalski. Im Jahr 2002 erzielte das Unternehmen bei Einnahmen von 1,12 Mrd. Zloty einen Nettogewinn von 60,5 Mill. Zloty, viermal so viel wie im Jahr davor. Prokom-Chef Ryszard Krauze ist optimistisch, dass im laufenden Jahr ein ähnlich gutes Ergebnis wie 2002 erzielt werden kann.

In der Aktie haben sich die positiven Zahlen nicht durchgängig niedergeschlagen. Die Titel des Unternehmens, das seit 1998 an der Börse notiert, verzeichnete kräftige Kursschwankungen. Ihren Spitzenwert erreichte die Aktie im Mai 2000 mit 327 Zloty, im Tief notierte sie im Oktober 2001 bei gerade 75 Zloty. Seit etwa drei Monaten verzeichnet sie einen leichten Aufwärtstrend. "IT-Werte reagieren immer empfindlich auf konjunkturelle Wellen", gibt Pawel Puchalski zu bedenken, "aber in der letzten Zeit haben die Prokom-Werte entgegen einem allgemeinen Abwärtstrend zugelegt."

Prokom-Chef Krauze selbst rät, die Erwartungen an die Offset-Geschäfte nicht zu überhasten. "In diesem Jahr müssen wir mit finanziellen Belastungen für die Realisierung der Offset-Projekte rechnen", sagte er vergangene Woche in Warschau. Mit den Einnahmen aus den lukrativen Deals sei dann ab 2004 zu rechnen. Recht unterschiedlich fallen auch die Empfehlungen der Analysten aus, die Kredyt Bank riet zuletzt, den Wert zu verkaufen. Das Urteil der BRE Bank lautete akkumulieren.

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