Blick auf Telekomanleihen
Sinkendes US-Verbrauchervertrauen beflügelt die Anleihemärkte

Die europäischen Anleihemärkte kannten Dienstag nur eine Richtung: aufwärts. Wie in Vorfreude auf die am Nachmittag erwarteten Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen im Februar kletterte der richtungweisende Bund-Future nach oben und überwandt locker den Widerstand von 109,00 %. Denn die Prognosen gingen von einem stark rückläufigen Vertrauen der Konsumenten in die US-Wirtschaft aus. Dies beflügelte zum einen die Hoffnungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank und stärkte zum anderen den Euro gegenüber dem Dollar. Und dann fiel der Index mit 106,8 auf den geringsten Stand sei Juni 1996 und damit deutlich schlechter als erwartet aus.

HB FRANKFURT/M. Der im März fällige Kontrakt auf den Euro-Bund-Future ging mit einem Plus von 0,56 Prozentpunkten auf 109,21 % aus dem Handel. Der Bobl-Future rückte um 0,33 Prozentpunkte auf 106,18 % vor, und der Schatz-Future gewann 0,17 Punkte auf 102,74 %. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Januar 2011 sank auf 4,76 %. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen fiel auf 4,77 % von 4,81 %. Die Bundesbank verkaufte zum Marktausgleich Anleihen über 117,4 Mill. nach Abgaben von 191,6 Mill. am Vortag. Auch US-Treasuries legten kräftig zu. Die Rendite des 30-jährigen Longbonds sank am Mittag in New York um 0,07 Prozentpunkte auf 5,37 %.

Bei den Unternehmensanleihen richtete sich der Blick wieder auf die Telekomanleihen, nachdem die Rating-Agentur Moody?s am späten Montag die mit "A2" bewerteten langfristigen Bonitätsaussichten von British Telecom mit einem "negative Outlook" versehen hatte. Dies kam Händlern zufolge jedoch nicht überraschend, da zuvor schon Standard & Poor?s die Ratingaussichten des Unternehmens herabgesetzt hatte. "Die Bonds rentieren ohnehin so, als seien sie im BBB-Bereich bewertet", sagte ein Händler. Die Papiere reagierten dementsprechend kaum.

France Télécom bestätigte Spekulationen darüber, noch in diesem Jahr mit Forderungen besicherte Anleihen auszugeben. Die so genannten Asset Backed Securities (ABS) sollen weniger als 5 % der gesamten Verbindlichkeiten des Konzern ausmachen, sagte ein Sprecher. Auch Telecom Italia plant eine ABS-Anleihe. Analysten erwarten, dass noch weitere Telekomfirmen ABS-Anleihen emittieren werden. Analysten von Bear Stearns meinten zudem, dass France Télécom ihre geplante Euro-Anleihe über 7 Mrd. bis 8 Mrd. möglicherweise auf 10 Mrd. aufstocken wird. Die Emission wird in der kommenden Woche erwartet.

Am Pfandbriefmarkt begab der US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac einen dreijährigen Bond mit einem Volumen von insgesamt 5 Mrd. Euro Kupon und Ausgabepreis werden erst heute festgelegt, doch die Papiere werden laut Händlern 0,09 Prozentpunkte unter der Kurve für Swaps (Zinstauschgeschäfte) liegen. Das Pricing sei sehr aggressiv und die Bonds vergleichsweise teuer, sagte ein Analyst bei einer amerikanischen Bank. Ausstehende fünf- und zehnjährige Bonds von Freddie Mac rentieren etwa 0,06 Prozentpunkte unter der Swap-Kurve. Dementsprechend sei es fraglich, ob der Hypothekenfinanzierer entsprechende Nachfrage für die großvolumige Anleihe finde, meinten Marktbeobachter.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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