Blick fürs Kerngeschäft
Deutsche Bank bei Beteiligungsverkäufen konsequent

Ungeachtet der anhaltend schwachen Aktienmärkte trennt sich die Deutsche Bank konsequent von Industriebeteiligungen und Aktivitäten, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören.

Reuters FRANKFURT. Der Verkauf des 7,5-prozentigen Anteils an dem Reifenhersteller und Automobilzulieferer Continental am Dienstag folgte unmittelbar auf die Trennung von der Beteiligung an der Deutschen Börse Ende September. Analysten gehen davon aus, dass Deutschlands größte Bank nach dem überraschenden Verlust im dritten Quartal mit den jüngsten Verkäufen nun in den letzten drei Monaten 2002 wieder schwarze Zahlen ausweisen kann. Zusammen mit weiteren großen Beteiligungsverkäufen bereits aus dem zweiten Quartal werde die Deutsche Bank das von Konzernchef Josef Ackermann für das Gesamtjahr angekündigte "zufrieden stellende Ergebnis" somit erreichen. Das Kreditinstitut bekommt wie ihre Konkurrenten die Börsenflaute und schwache Konjunktur kräftig zu spüren. Im operativen Geschäft verdienen die Banken derzeit kaum noch Geld.

"Sie sagen was zu tun ist, und dann tun sie es", kommentiert ein Analyst die Beteiligungsverkäufe. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit im Frühjahr hatte Ackermann die Linie klar vorgegeben: Die Bank wolle sich schnell von ihren Industriebeteiligungen und den nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten trennen, um mit den Erlösen die verbleibenden Geschäftsbereiche zu stärken. Unter anderem will das Frankfurter Geldhaus sein Privatkundengeschäft deutlich ausbauen und im Jahr 2004 das operative Ergebnis dort auf eine Milliarde Euro signifikant steigern.

Schon im zweiten Quartal hatte die Deutsche Bank durch den Verkauf von Beteiligungen vor allem an der Münchener Rück und der Allianz einen Ertrag von knapp über zwei Milliarden Euro erzielt. Vor allem dadurch konnten auch in diesem Dreimonats-Abschnitt Gewinne ausgewiesen werden. Insgesamt hält die Bank auch nach den jüngsten Verkäufen Beteiligungen an etwa 20 börsennotierten Unternehmen. Als bedeutendstes Engagement gilt dabei der 12,1-prozentige Anteil an Daimler-Chrysler. Am Mischkonzern Linde hält die Bank zehn Prozent, am Anlagenbauer mg technologies etwas über neun Prozent. Am Versicherer Allianz ist das Geldhaus nach eigenen Angaben noch mit rund 3,7 Prozent beteiligt.

Analysten sagen, der Beteiligungsverkauf sei konsequent und mache gerade im Hinblick auf eine mögliche Wiedereinführung der Besteuerung von Gewinnen aus Unternehmensverkäufen Sinn. Das Marktumfeld habe sich etwas verbessert und insofern sei es für die Deutsche Bank angeraten, zumindest Beteiligungen abzustoßen, die nicht zu sehr unter Kursverlusten gelitten hätten.

"In einer Beteiligung ist das Kapital gebunden", erläutert Andreas Pläsier, Analyst bei der Berenberg Bank. "Es ist effizienter, die Mittel zu Käufen im Kerngeschäftsbereich oder zum weiteren Rückkauf eigener Aktien zu nutzen." Einen Verkauf der Beteiligung am Autohersteller Daimler-Chrysler erwartet der Analyst jedoch zunächst nicht. Die Bank werde in diesem Fall voraussichtlich abwarten, bis die Konjunktur wieder anziehe und die Stuttgarter ihre Absatzzahlen weiter steigern könnten. Dies war auch stets vom Vorstand der Deutschen Bank beteuert worden. Probleme sich von der Beteiligung zu trennen, werde die Deutsche Bank angesichts ihrer starken Platzierungskraft am Markt wohl nicht haben, sagte Pläsier

Generell ist die Deutsche Bank nach Analysteneinschätzung trotz der schwachen Märkte beim Beteiligungsverkauf in einer deutlich komfortabeleren Position als ihre inländischen Konkurrenten: "Mittlerweile hat das negative Börsenumfeld den Wert der Beteiligungsportfolios stark gemindert, so dass operative Verluste bei anhaltend schwachem Kapitalmarkt nicht mehr durch Verkaufserlöse ausgeglichen werden können", schreibt Sebastian Reuter von Helaba Trust mit Blick auf die anderen deutschen Großbanken in einem Marktkommentar. "Im Gegensatz zur Deutschen Bank, bei der sich die unrealisierten Gewinne noch auf 2,2 Milliarden Euro belaufen, haben sich die stillen Reserven bei der HypoVereinsbank völlig aufgelöst. Bei der Commerzbank sammelten sich unterdessen sogar stille Verluste in Höhe von 1,9 Milliarden Euro an."

Neben ihren Industriebeteiligungen trennt sich die Deutsche Bank ebenfalls von Aktivitäten, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Erwartungsgemäß teilte das Geldhaus am Dienstag mit, den Großteil seiner Wertpapierdienste (Custody) an den US-Finanzdienstleister State Street verkauft zu haben.

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