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Blinde Juristin darf nicht Richterin werden

In Österreich ist einer blinden Juristin der Aufstieg zur Richterin wegen ihrer Behinderung verwehrt worden.

rtr WIEN. Der Grund für die Ablehnung sei allein die Sehbehinderung, bestätigte ein Sprecher des Oberlandesgerichts Graz am Donnerstag. Die 29-Jährige Kärntnerin sei körperlich nicht für das Richteramt geeignet.

Der Fall sorgte in Österreich für Schlagzeilen. Die blinde Juristin Andrea Zweibrot sagte der Klagenfurter "Kleinen Zeitung", sie fühle sich diskriminiert, weil sie das Gericht in Graz nicht zur Richterprüfung zugelassen habe. Die Gerichtspraxis habe sie zuvor erfolgreich absolviert. Das Gesetz, das körperliche Eignung für Richteranwärter vorschreibe, stamme aus dem Spätmittelalter, als man geglaubt habe, ein Blinder könne weder lesen noch schreiben, sagte Zweibrot.

Aber auch das Justizministerium in Wien kam zum gleichen Schluss wie zuvor das Oberlandesgericht Graz. Danach kann die blinde Kärntnerin wegen ihrer Behinderung nicht Richterin werden. Für einen Richter sei es unerlässlich, sich ein gesamtheitliches Bild der Zeugen und der Beschuldigten zu verschaffen, teilte das Ministerium am Donnerstag mit. Dazu gehöre auch das Erfassen und Beurteilen der Körpersprache und Mimik.

Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit, wird in der Kunst allerdings mit verbundenen Augen dargestellt, damit sie sich nicht durch die äußere Erscheinung beeinflussen lassen kann.

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