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Blitztor beendet Spaniens Auftakttrauma

Faro (dpa) - Als seine Mitspieler erschöpft, aber glücklich in den Katakomben des Algarve-Stadions verschwanden, feierten die Fans noch immer überschwänglich ihren neuen Helden.

Faro (dpa) - Als seine Mitspieler erschöpft, aber glücklich in den Katakomben des Algarve-Stadions verschwanden, feierten die Fans noch immer überschwänglich ihren neuen Helden.

Mit einem der schnellsten Joker-Tore in der Geschichte der Fußball-EM beendete Juan Carlos Valerón das Auftakttrauma der Spanier nach nur einem Sieg in den vergangenen 24 Jahren: Nur 35 Sekunden nach seiner Einwechslung gelang ihm mit einem Linksschuss das befreiende Tor zum 1:0 (0:0) der Iberer gegen Russland. Der selbst ernannte Titelkandidat bekleckerte sich gegen den ersatzgeschwächten Außenseiter allerdings nicht mit Ruhm. «Spanien braucht mehr Schwung», forderte daher die Zeitung «El Pais».

«Es ist immer wichtig, das erste Spiel zu gewinnen, dann kann man beruhigter die nächsten Aufgaben angehen», sagte Matchwinner Valéron, der nach einer Stunde für die Entscheidung gesorgt hatte. Auf der Gegenseite machte Russlands Superstar Alexander Mostowoi Trainer Georgi Jarzew für die schmerzliche Niederlage am Tag der russischen Unabhängigkeit verantwortlich: «Wir sind völlig erschöpft von den Trainingsbelastungen, die uns der Trainerstab auferlegt hat.» Der erste Viertelfinal-Einzug der Russen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist in weite Ferne gerückt ist. Dagegen können die Spanier im Match gegen Portugal-Bezwinger Griechenland, für das sich sogar König Juan Carlos angesagt hat, die nächste Runde perfekt machen.

Der erste Gedanke von Valéron galt allerdings weder den Griechen, noch seinem königlichen Namensvetter. Alle Spieler waren bereits vom Feld, da hielt er im durchschwitzten Unterhemd noch immer Ausschau nach seinem Bruder Pedro. Denn der sollte das rote Trikot bekommen, in dem er seinen fünften und wohl wichtigsten Länderspieltreffer erzielte. Gefunden hat er ihn nicht, «da hab ich das Trikot mit einem Russen getauscht».

Auch wenn Valéron der gefeierte Held des Abends für die rund 17 000 spanischen Fans unter den 28 182 Zuschauern im ausverkauften Algarve-Stadion in Faro war. Eher bescheiden, geduldig und freundlich stellte sich der Offensivspieler von Deportiva La Coruña fünf Tage vor seinem 29. Geburtstag den nicht enden wollenden Fragen der Journalisten. «Mit Valéron haben wir druckvoller gespielt», meinte Trainer Iñaki Sáez, dessen Traumduo mit Kapitän Raúl und Fernando Morientes enttäuschte. «Ich konnte ihn aber nicht früher einwechseln - das wäre Selbstmord gewesen.»

Selbstkritisch analysierte Jarzew, der gegen Portugal auf Roman Scharonow nach dessen Gelb-Roter Karte (88.) verzichten muss, die Partie. Mit krächzender Stimme, nachdem er die Mannschaft vom Seitenrand lautstark unterstützt und geführt hatte, meinte er: «Ich bin verantwortlich für die Niederlage. Wir hatten in der Defensive nicht die nötige Ordnung.» Seine Spieler hätten allerdings zuviel Respekt gehabt. Der nächste Gegner Portugal ist mit nicht minder namhaften Spielern besetzt. Für die Moskauer Internetzeitung «Newsru.com» ist es ein Spiel «um Leben und Tod».

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