Blix: "Es gibt eine neue Chance"
Waffeninspektoren nach Irak zurückgekehrt

Vier Jahre nach ihrem Abzug sind am Montag die UNO-Waffeninspektoren nach Irak zurückgekehrt. Vom Ergebnis ihrer Kontrollen könnte abhängen, ob die USA und ihre Verbündeten das Land angreifen.

Reuters BAGDAD. Der Chef der UNO-Abrüstungskommission für Irak, Hans Blix, sagte in Bagdad, die Inspektoren wollten sicherstellen, dass es dort keine Massenvernichtungswaffen gebe. Bis Weihnachten sollen nach Angaben seiner Kommission 80 bis 100 Inspektoren vor Ort sein. UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief Irak auf, uneingeschränkt mit den Inspektoren zusammenzuarbeiten. Die staatlichen irakischen Medien berichteten, Irak sei am stärksten an einen Erfolg der Arbeit der Inspektoren interessiert.

Blix: Die Situation ist angespannt

"Die Situation ist im Moment gespannt, aber es gibt eine neue Chance, und wir sind hier, um für eine glaubwürdige Inspektion zu sorgen", sagte Blix nach seiner Ankunft in Bagdad. Neben Blix trafen der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Mohamed ElBaradei, und rund 30 Inspektoren in Irak ein. Blix wurde von dem Chef des irakischen Verbindungsbüros für die Inspektoren, Husam Mohammed Amin, empfangen. Es wurde erwartet, dass die Inspektoren zunächst ihr ehemaliges Büro in einem Hotel der Stadt aufsuchen. Anschließend wollten sie ihre Arbeit logistisch vorbereiten, wozu sie Fahrzeuge beschaffen und Labors einrichten müssen.

El-Baradei hatte gesagt, die Inspektoren würden bereits mit Kenntnissen über einige vermutete Anlagen zum Bau atomarer, biologischer und chemischer Waffen nach Bagdad reisen. Es lägen dafür Informationen vom US- und anderen Geheimdiensten vor. Außerdem verfügten die Inspektoren über eigene Informationen.

Die Waffenkontrollen sollen am 27. November beginnen. Die Experten sollen sicherstellen, dass Irak Massenvernichtungswaffen weder besitzt noch produziert, wie von der UNO nach dem Golfkrieg 1991 verlangt. Vor vier Jahren hatten die Inspektoren Irak mit der Begründung verlassen, ihre Arbeit werde behindert. Der UNO-Sicherheitsrat sieht bei Verstößen gegen die einstimmig verabschiedete neue Irak-Resolution "ernste Konsequenzen" vor. Die USA haben gedroht, das Land in einem solchen Fall anzugreifen. US-Präsident George W. Bush hat zudem den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Husseins zum Ziel seiner Politik erklärt.

Annan fordert uneingeschränkte Zusammenarbeit

Annan sagte, Saddam müsse mit den Inspektoren uneingeschränkt zusammenarbeiten und damit seinem eigenen Volk, der Region und der gesamten Welt gerecht werden. Annan fügte während eines Besuches in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo hinzu, die Arbeit der Inspektoren sei durch die neue Resolution des UNO-Sicherheitsrates gestärkt worden.

"Jetzt ist Saddam Hussein am Zug", sagte der britische Außenminister Jack Straw in Brüssel vor einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen. Es liege an Saddam, ob er freiwillig abrüste oder zur Abrüstung gezwungen werde. Saddam wisse, was die Konsequenzen eines Mangels an Zusammenarbeit seien.

In einem Kommentar der irakischen Zeitung "Babel" hieß es, Irak wolle die Arbeit der Inspektoren zum Erfolg führen. Das Blatt gehört Saddams Sohn, Uday Hussein. Die Zeitung der regierenden Baath-Partei, "El Thaura", appellierte an die Inspektoren, neutral, unabhängig und ehrlich in ihren Urteilen zu sein. Irak hatte früheren Inspektoren Spionage vorgeworfen.

Kampfflugzeuge der USA und Großbritanniens griffen am Montag erneut Stellungen der irakischen Luftabwehr in der nördlichen Flugverbotszone an. Das Oberkommando der US-Armee in Europa teilte auf seiner Internetseite mit, die Maschinen seien bedroht worden. In den vergangenen Monaten hat die Zahl derartiger Zwischenfälle in der nördlichen und südlichen Flugverbotszone stark zugenommen. Bush hat erklärt, irakische Angriffe auf Flugzeuge der USA und ihres Verbündeten Großbritannien würden als Verstoß gegen die jüngste UNO-Resolution betrachtet werden. Die Zonen waren nach dem Golfkrieg zum Schutz der kurdischen Opposition im Norden und der schiitischen Opposition im Süden eingerichtet worden.

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