Blockbuster-Potenzial bei Spiriva
Boehringer setzt auf US-Geschäft

"Der Anteil des US-Geschäfts wird bei Boehringer in den nächsten zwei Jahren weiter nach oben gehen", sagte Rolf Krebs in einem Gespräch mit der "Börsenzeitung" (Dienstagausgabe). 2003 sei die Registrierung des Atemwegsmittel Spiriva in den USA zu erwarten.

Reuters FRANKFURT. "Damit wird der Anteil der Boehringer-Umsätze in den USA klar an die 50 % kommen," sagte Krebs. Wenn Boehringer Glück habe, werde der Anteil noch ein bisschen höher ausfallen. Spiriva dient vor allem der Behandlung von Raucherlunge (COPD), der Nummer vier unter den Todesursachen in den USA. Dem Mittel, das dort zusammen mit Pfizer vermarktet werden soll, wird Blockbusterpotenzial mit einem Jahresspitzenumsatz von mehr als 1 Mrd. $ bescheinigt.

Blockbuster-Potenzial sprach Krebs auch dem Prostata-Medikament Tamsulosin zu. "Das einlizenzierte Produkt liegt mit dem gemeinsamen Vertrieb von Yamanouchi schon bei 800 bis 900 Mill. $ im Jahr", sagte Krebs in dem Interview.

Dagegen sei das Bluthochdruckmittel Telmisartan eine Ausnahme. "Wir sind mit dieser Substanz in den einzelnen Märkten als Nummer 4 oder Nummer 6 eingetreten", sagte Krebs. Das Molekül sei aber besser als Konkurrenzprodukte. Ärzte stellten allerdings Patienten nicht gerne um, so dass das Medikament nur durch neue Hochdruckkranke gewinnen könne. Die Marktdurchdringung dauere länger. "Wir rechnen uns aus - und dies ist auch zu erkennen -, einen großen Teil der Neuverschreibungen zu bekommen", sagte Krebs. In einem Reuters-Interview vom September hatte Krebs für dieses Jahr bei Telmisartan mit Umsätzen von rund 350 Mill. Euro gerechnet. Nach 2006 hatte Krebs dem Mittel Blockbuster-Qualitäten zugesprochen.

Bei der Rendite werde sich Boehringer wohl nicht amerikanischen Verhältnissen annähern, sagte der Boehringer-Chef weiter. So versuche der Konzern in der Erfolgsphase noch mehr Präparate zu entwickeln, um das Wachstum zu beschleunigen. Zudem wolle Boehringer bei den Preisen moderat bleiben. "Dies ist ein innerer Mechanismus, der Renditen in amerikanischen Größenordnungen verhindert", sagte Krebs. Aber auch Boehringer werde von 2005 an bei den operativen Margen nach oben gehen. 2003/2004 werde es noch ziemlich flach laufen, wegen der Stärkung der Infrastruktur und der Vermarktung von Spiriva. Danach werde der Konzern eine andere Kraft im Markt sein, zwar nicht mit einer operativen Marge von 30 %. "Wir werden uns jedoch aus dem europäischen Konzert, das so bei 15 % liegt, entfernen", kündigte der Boehringer-Chef an.

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