Blogs und Foren: Buschtrommeln

Blogs und Foren
Buschtrommeln

Alte Weisheiten aus Werbung und PR treffen für das Internet nicht zu. Klassische, aufwendige Kampagnen funktionieren nur bedingt. Viel effizienter ist die Weitergabe von Informationen in bestehenden Kommunikationsgeflechten – Benutzer wissen sich selbst zu helfen.

„Trommeln gehört zum Geschäft“, ist eines dieser Mantras, das Journalisten auf Pressekonferenzen vor sich hinbeten, während Unternehmenssprecher nicht enden wollende Erfolgsfanfaren in den Raum hinein trompeten. Im Meatspace, wie die physische Welt von Netzbewohnern gerne tituliert wird, sind wir alle recht duldsam geworden, wenn es darum geht, die Lautstärke zu ertragen, mit der Unternehmen ihre Botschaften loswerden wollen.

Wer nicht wirbt, der stirbt, lautet eine beliebte Floskel, die diesen Radau rechtfertigen will. Schaut man sich allerdings die Erfolgsgeschichten von Web-Unternehmen der zweiten Generation an, stößt man schnell auf eine erstaunliche Gemeinsamkeit: Allesamt kamen sie nahezu vollständig ohne Werbung und PR-Getöse an die Spitze.

Mit Abermillionen von Blogs, Web-Foren, Mailinglisten, und Diskussionsbrettern besitzt das Web mittlerweile ein überaus dichtes Kommunikationsgeflecht, das Aufmerksamkeitswellen erzeugt, die man mit Marketing-Millionen nicht auslösen könnte. Das Buschtrommel-Kommunikationssystem der Netz-Nativen funktioniert in Digitalien wesentlich effizienter, als das auf Lautstärke optimierte Blechtrommel-Prinzip, das Werber sich angeeignet haben.

Das ist an sich keine neue Erkenntnis, bereits 1999 schrieben die vier Autoren des Cluetrain Manifests: „Die Menschen in vernetzten Märkten haben herausgefunden, dass sie sich gegenseitig weit bessere Information und Unterstützung bieten können, als sie von Verkäufern erhalten.“

Cluetrain-Co-Autor David Weinberger hält das Internet auch im Jahre 2007 für „underhyped“ – und missverstanden. Das Netz sei „eine Chance, um über das zu reden, was uns interessiert, anstatt dem TV zuzuhören und in diesem Photonenbad zu sitzen.“ Märkte sind Gespräche, lautet die Kernthese des Cluetrain-Manifests. Und wo gesprochen wird, sind Marktschreier fehl am Platz. Wer lautstark mit seinen Nutzer- oder Klickzahlen prahlt, erntet eher den Argwohn der Netzbürger, als ihre Neugier. Wer glaubt, auch im Web gehöre lautes Trommeln zum Geschäft, wird es schwer haben, dort welche zu machen.

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