Bloß keine Bundespolitik im Wahlkampf
Bremer wollen Scherf im Rathaus sehen

Henning Scherf hatte zu schwarz gesehen: "Es kann ganz, ganz eng für mich werden!", warnte der Regierungschef noch am Samstag die Bremer Bürger in einer Zeitungsanzeige. Jeder wisse, dass er seinen Job "mit Lust und ohne Frust" mache und gerne fortsetzen wolle.

HB/dpa BREMEN. Dies könne er aber nur, "wenn meine Partei, die SPD, die Nase vorn behält". Als am Sonntagabend die Hochrechnungen zum Ausgang der Bürgerschaftswahl über die Bildschirme flimmerten, war klar: Die Botschaft war beim Bremischen Wahlvolk angekommen.

Wie seit 1947 üblich, lagen die Sozialdemokraten im kleinsten Bundesland mit rund 42 Prozent wieder vorn. Scherfs Analyse war eindeutig: "Das ist ein ganz klarer Auftrag für das Projekt, das ich seit acht Jahren vertrete. Die Leute wollen, dass das fortgesetzt wird", sagte er erleichtert. Schon im Wahlkampf hatte er sich - zum Unmut mancher seiner Genossen - vehement für eine Neuauflage der großen Koalition eingesetzt.

Die Bremer SPD hatte vom Wahldebakel ihrer Parteifreunde im Nachbarland Niedersachsen am 2. Februar vor allem eines gelernt: bloß keine Bundespolitik im Wahlkampf. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schaute einmal kurz vorbei, besuchte allerdings nur Unternehmen und machte eine Art Wahlkampf unter Ausschluss des Wahlvolkes.

Wohlwissend, dass angesichts des anhaltenden Reformstreits und der endlosen Steuererhöhungsdebatten mit Berliner Prominenz kaum zu punkten war, besann sich die SPD auf landes- und kommunalpolitische Themen - und auf ihr Aushängeschild Henning Scherf. Der aber war sich bis zuletzt unsicher, ob seine Popularität reichen würde, um die SPD - Hochburg Bremen zu halten. "Ich glaube, viele Leute wollen mich im Rathaus sehen. Das ist eine erkennbare und fühlbare Mehrheit. Aber ob das auf die SPD umgemünzt werden kann, das ist die spannende Frage", meinte er nach der Stimmabgabe.

Es liegt an den speziellen Bremer Verhältnissen, dass die CDU trotz ihres Absturzes auf rund 30 Prozent Grund zum Feiern hatte. Denn damit ist die Chance gewahrt, dass sie weiter Juniorpartner in der großen Koalition bleibt. Wäre sie auf Platz 1 gelandet, hätte Scherf seinen Hut genommen und in Bremen wären die Weichen auf Rot- Grün gestellt worden. So wertete Spitzenkandidat Hartmut Perschau am Abend den Wahlausgang auch als Ergebnis der "archaischen Ängste in unserer Wählerschaft vor Rot-Grün". Wer von der CDU zur SPD gewandert sei, habe dies getan, "um die große Koalition zu stabilisieren".

Sieger und Verlierer zugleich waren die Grünen. Zwar konnten sie sich auf rund 13 Prozent steigern. Damit stiegen jedoch nicht ihre Chancen auf eine Regierungsbeteiligung, auch wenn Spitzenkandidatin Karoline Linnert am Wahlabend bekräftigte: "Wir wollen zu normalen demokratischen Verhältnissen zurückkehren. Und das ist Rot-Grün." Hart gelandet ist die FDP. Spitzenkandidat Claus Jäger hatte auf eine Wiederholung des Wahlsieges seiner Parteifreunde in Niedersachsen gehofft. "Das war sicher nicht das, was wir wollten", meinte er enttäuscht, als klar war, dass die Liberalen landesweit die magische Fünf-Prozent-Hürde wieder nicht genommen hatten.

Nur ein Trostpflaster war für die Liberalen, dass sie über einen Erfolg in Bremerhaven doch mit einem Abgeordneten in die Bürgerschaft einzogen. Dies gelang zum zweiten Mal in Folge auch der rechten DVU.

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