Blue-Chip-Index schlägt sich gut
Experten sehen günstige Dow-Werte

Gemessen an klassischen Kennzahlen wie Buchwert und Kurs-Gewinn-Verhältnis, sind einige Aktien im Dow-Jones-Index günstig bewertet. Fondsmanager heben Walt Disney, JP Morgan, Procter & Gamble und Microsoft hervor. Der Dow bleibt das populärste Börsenbarometer der Welt.

NEW YORK. Fondsmanager und Marktstrategen schenken dem Dow-Jones-Index nur wenig Beachtung. Doch das 105 Jahre alte Börsenbarometer ist das populärste der Welt. In den vergangenen zwei schlechten Börsenjahren hielt der Dow, der die 30 wichtigsten Industriewerte beinhaltet, die Moral der Anleger hoch. Während der breit gefasste Standard & Poor?s-500-Index seit Jahresanfang 13 % eingebüßt hat und der technologielastige Sammelindex der Nasdaq gar knapp 20 % verloren hat, gab der Dow lediglich 6,5 % nach. Ebenso wie Anfang 1999 kämpft das Börsenbarometer auch aktuell mit der Marke von 10 000 Punkten.

"Im Dow sind Technologie-Aktien untergewichtet", begründet Chefstratege Richard Bernstein von der Investment-Bank Merrill Lynch die vergleichsweise günstige Entwicklung des Blue- Chip-Indexes. Der Dow gewichtet die Komponenten nicht nach Marktwert, sondern nach ihrem Aktienkurs. Erfunden wurde er, um Händlern einen Anhaltspunkt zu geben, wie sich die Märkte bewegen. Die Aktienkurse von damals 18 Indexwerten wurden einfach durch 18 dividiert. Leicht modifiziert, wird die Methode heute noch verwendet.

Die Kursänderung einer im Index enthaltenen Aktie um einen Dollar führt immer zu einer Änderung von 6,5 Punkten im Dow. Das führt zu eher willkürlichen Ergebnissen. Der Computerhersteller IBM etwa, der vergleichsweise wenig Aktien-Splits hinter sich hat, trägt 8 % zum Kursverlauf bei, ebenso der Mischkonzern 3M. Die beiden Konzerne, die nach Marktwert mittlere Rangplätze haben, sind damit die stärksten Komponenten im Dow und machen 16 % seines Verlaufs aus. Schwergewichte wie Microsoft oder Intel dagegen haben nur einen verhältnismäßig geringen Einfluss auf die Bewegungen des Dow Jones. Deshalb hat der Dow sich nach dem Platzen der Technologie-Blase fast stabil gehalten.

Fondsmanager Scott Kuensell von der Vermögensverwaltung Brandywine, der mit seinem wertorientierten Fonds für Standardtitel binnen Jahresfrist einen Wertzuwachs von mehr als 6 % erzielt hat, achtet eher aus psychologischen Gründen auf den Dow. "Es ist der populärste Index der Welt. Er sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Damit hat er einen wichtigen Einfluss auf das Konsumentenverhalten und damit auf die gesamte Wirtschaft." Als Messlatte ist der Dow für ihn wegen seiner berechnungstechnischen Schwächen weniger interessant. Mit seinem strengen Prinzip, nur Aktien zu kaufen, die gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Buchwert billig sind, hat Kuensell den Standard & Poor?s-500-Index über Jahre geschlagen. Unter den Dow-Werten besitzt er Boeing, Walt Disney und J. P. Morgan Chase. General Motors hat er gerade verkauft, weil hier der Effekt der niedrigen Kreditzinsen auf die Nachfrage der Kunden ausgereizt sei.

An J. P. Morgan Chase gefällt ihm, dass die Aktien nur zum 1,3-fachen ihres Buchwertes gehandelt werden. "Alles, was unter zwei ist, ist günstig", sagt Kuensell. Im Vergleich zu Citigroup hätte die Aktie zwar wesentlich schlechter abgeschnitten, "doch als Wert-Investor brauchen Sie eben Geduld", sagt er. Disney koste derzeit nur das 1,4-fache des Buchwertes. Die Aktie könnte davon profitieren, dass sich das Leben der US-Bürger wieder normalisiert und deshalb wieder mehr ausgehen. An Boeing gefällt Kuensell, dass der Konzern konsequent den Verteidigungsbereich ausgebaut hat.

Fondsmanager Nick Jones von der Fondsverwaltung Ashland Management wählt nach anderen Prinzipien aus. Er orientiert sich an den Wachstumschancen der Unternehmen. An ihren Gewinndaten gemessen, müsste der Dow eigentlich schlechter abgeschnitten haben als die übrigen Indizes, meint er: 17 der 30 Industriewerte dürften in diesem Quartal Verluste melden, hat Jones ermittelt, "das ist schlechter als der Durchschnitt der übrigen US-Aktien". Doch auch Jones findet einige Werte im Dow attraktiv. Sein Fonds besitzt zurzeit Citigroup, General Electric, Home Depot, Johnson & Johnson, Microsoft und Wal Mart. Jones erwägt, jetzt auch Procter & Gamble als Wachstumswert zu kaufen. Die Baumarkt-Kette Home Depot habe mit 20 % erwartetem Zuwachs die besten Wachstumschancen im Dow. Die Aktie sei aber bereits sehr teuer. An Microsoft gefällt ihm, dass die Aktie ein sehr gutes Management hat, gute Fundamentaldaten vorweist und eine Wachstumsrate von 15 % erwartet. Die Aktie kostet derzeit rund 69 $ und werde bald wieder 100 $ wert sein, hofft Jones.

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