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Blüht Web-Services das traurige WAP-Schicksal?

Web-Services erfinden das Rad nicht neu. Zunächst sind tragfähige Geschäftsmodelle gefragt. Telekom-Dienstleister Dr. Winfried Materna (Foto) stellt Erfolgskriterien vor.

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Von Zeit zu Zeit bringt die Informationstechnologie neue Themen hervor, deren Vermarktung wie eine Wunderheilung der kränkelnden IT-Branche anmutet. Auch mit Web-Services verhält es sich ähnlich. Hält der Trend, was man von ihm erwartet? Hinter Web-Services verbergen sich neue Standards, die sich - traut man dem Hype - anschicken, die Integrationsprobleme des Internet-Zeitalters zu lösen. Denn Anwendungen innerhalb eines Unternehmens und auch über Firmengrenzen hinweg sollen sich mit Web-Services einfacher als mit bisherigen Technologien verbinden lassen. Aus unternehmerischer Sicht beschreiben Web-Services Business-Funktionen, die von anderen Applikationen unter Nutzung von Internet-Protokollen automatisch gefunden, erkannt und eingebunden werden können. Kurz: Unternehmensanwendungen lassen sich einfacher erstellen und integrieren, Geschäftsprozesse im Internet unkomplizierter abwickeln und auch das Controlling kann aufatmen, da Kosteneinsparungen möglich sind. Herausforderung standardisierbare Geschäftsprozesse zu identifizieren Die besondere Herausforderung dürfte zunächst darin liegen, standardisierbare Geschäftsprozesse zu identifizieren und hieraus Web-Services zu generieren und nicht zuletzt - firmenintern oder firmenübergreifend - bei der Erstellung neuer Lösungen auch von diesen Standards Gebrauch zu machen. Web-Services sollen neben ihrer Funktion im Geschäftsprozessden Integrationsprozess wesentlich vereinfachen und sogar alte Legacy-Systeme so berücksichtigen, dass sie zügig in neue Systeme eingebaut werden können. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob Unternehmen mit Web-Services neue Lösungen zügiger erstellen können und die Kosten für komplexe Anwendungsintegrationen wirklich senken und so ihre Effizienz steigern können. Gartner geht z. B. davon aus, dass sich die Effizienz von e-Commerce-Projekten mit Web-Services bis 2005 um circa 30 Prozent steigern lässt. Das Rad nicht neu erfunden Aber auch Web-Services erfinden das Rad nicht neu: Der Integrationsgedanke dahinter findet sich in der jüngsten Vergangenheit bereits in anderen Technologien wieder. Gescheitert sind sie allesamt daran, dass man sich nicht auf einen einheitlichen Standard verständigen konnte, sondern jeder Anbieter gerne seine eigene proprietäre Welt einsetzt. Bei den Web-Services wollen die IT-Anbieter diese Barrieren durch den Einsatz von einheitlichen Standards und Protokollen abbauen. Mit den Technologien, die sich hinter den Abkürzungen XML, UDDI, SOAP und WSDL verbergen, können unterschiedliche Anwendungen miteinander kommunizieren und interagieren. So lassen sich Web-Services zum Beispiel bei der Integration von Microsoft-Anwendungen mit Java-Servern einsetzen. Beide Welten zu verbinden, war bisher unter Zeit- und Kostenaspekten schwierig. Auf einen einfachen Nenner gebracht, könnte man Web-Services daher als eine Art Schnittstellenmechanismus bezeichnen: Sie fügen unternehmensinternen Anwendungen eine einheitliche Schnittstelle hinzu. Standardisierung gefragt Trotz aller Standards und Bestrebungen der Hersteller bleibt die Gefahr, dass die Versprechen der Plattform- und Programmiersprachenneutralität nicht eingehalten werden. Die Chancen stehen zwar gut, dennoch bevorzugt Microsoft mit seiner Software-Architektur und Strategie .NET eher die Programmiersprachen Visual Basic, C++ und C#, während das Lager IBM und Sun in erster Linie Java unterstützt. Damit auch der Integration konkurrierender Technologien zukünftig nichts mehr im Wege steht, haben führende Hersteller die Web Services Interoperability Organization (WS-I) ins Leben gerufen. Sie setzt sich für die Einhaltung der Spezifizierungen ein und überwacht die Standards. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die großen Player verhalten. Bis die Technologie den nötigen Reifegrad hat, sind die Anbieter aufgefordert, tragfähige Geschäftsmodelle für den Einsatz von Web-Services zu entwickeln. Und die Nutzer sind gefragt herauszufinden, welche Anwendungen sie überhaupt benötigen. e-Business-Integration Wenn auch nicht so spektakulär, so finden sich die bisherigen Einsatzszenarien zunächst im unternehmensinternen Umfeld wie zum Beispiel bei der Realisierung von Enterprise-Portalen. Es geht darum, bisher allein stehende Anwendungen oder Datenbestände zu verbinden und in neue Geschäftsprozesse abzubilden - in der IT-Sprache formuliert: "e-Business-Integration" zu betreiben. Gefragt sind jetzt also Kenntnisse in der Modellierung und dem Management von Geschäftsprozessen. Ausreichend Potenzial für Verbesserungen bei der Anwendungsintegration bieten die neuen Ansätze. Nur sollten Unternehmen vorsichtig sein, zu früh in eine Technologie zu investieren, die noch nicht ausgereift ist. Erste Analysten wie Berlecon Research warnen bereits davor, dass Web-Services ein ähnliches Schicksal erleiden könnten wie das als "mobiles Internet" angepriesene WAP. Dennoch will kein Unternehmen den Anschluss verpassen. So ist es empfehlenswert, sich zwar mit den Trends zu beschäftigen, eventuell sogar erste Pilotprojekte aufzusetzen, aber dennoch Vorsicht walten zu lassen. (*) 1980 gründete Winfried Materna die Materna und erkannte damit frühzeitig, welche große Zukunft die Informationstechnologie haben würde. Lesen Sie mehr über den Materna-Chef in seinem Portrait weiter ...

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