Blütenreines Führungszeugnis
Überfall deckt Sicherheitslücken auf

Deutliche Sicherheitslücken bei Geldtransporten hat der Frankfurter Millionenraub vom Montag aufgezeigt. Obwohl der 23 Jahre alte Transporter-Fahrer Faouzi Boudou noch im Februar 2001 wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte verurteilt worden war, konnte er wenige Monate später ein blütenreines Führungszeugnis bei der geschädigten Transportfirma "Securitas" vorlegen.

dpa FRANKFURT. Auch in den Sicherheitsvorschriften der Unternehmen sind Schlupflöcher, die einen kostengünstigeren und allerdings auch unsichereren Geldtransport erlauben.

Der Grund für den fehlenden Eintrag der Strafe von 40 Tagessätzen in Boudous Führungszeugnis ist gesetzlich verankert: Geldstrafen unter 90 Tagessätzen dürfen dort nicht aufgelistet werden, um unter anderem nicht die Jobsuche des Betroffenen zu erschweren. Gleiches gilt nach dem Bundeszentralregistergesetz auch für Freiheitsstrafen unter drei Monaten und die meisten Jugendstrafen. Einen kompletten Registerauszug erhalten nur Behörden und die Bürger selbst. Nicht nur der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, hält die Zeugnisse für "löchrig".

Der Frankfurter Amtsrichter Claus-Michael Ullrich schildert die komplizierte Prozedur zu einer Selbstauskunft: Der ausführlichere Auszug muss beim Amtsgericht beantragt werden und kann nach etwa vier bis sechs Wochen dort persönlich eingesehen werden. Kopien gibt es nicht, so dass der Arbeitgeber sich schon mit aufs Gericht bemühen müsste, um einen genaueren Eindruck von der Gesetzestreue des Bewerbers zu bekommen.

"Wir müssen uns auf das Führungszeugnis verlassen können", sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste, Andreas Paulick. Der Bad Homburger Verband, in dem die großen Unternehmen der Branche organisiert sind, fordert daher ein erweitertes Einblicks-Recht in das Zentralregister für besonders sicherheitsrelevante Jobs. "Das ist eine klare Gesetzeslücke." Das Ansinnen der Branche ist allerdings schon einmal wegen Datenschutzbedenken abgelehnt worden.

Doch die Unternehmen gehen auch nicht so auf Nummer Sicher, wie sie es nach geltender Gesetzeslage könnten. Boudou beispielsweise hatte nach Polizeiangaben keinen Waffenschein. Den hätte er nur bei einem blütenreinen erweiterten Führungszeugnis erhalten, von der Polizei geprüft. Im aktuellen Fall gab sich "Securitas" offenbar damit zufrieden, dass nur der Beifahrer einen Waffenschein besitzt - und prompt von seinem Fahrer mit einer Waffe überwältigt wurde, die er eigentlich gar nicht besitzen durfte.

In der Branche ist es kein Geheimnis, dass im vergangenen Jahr wegen des bevorstehenden Bargeldumtauschs von D-Mark auf Euro händeringend Personal zu wenig lukrativen Gehältern gesucht und gefunden wurde. GdP-Chef Freiberg beklagt die schlechte Ausbildung der privaten Sicherheitsleute, die als einzige Qualifikation nach wenigen Stunden Unterricht eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer ablegen müssen.

Beim Verband setzt man daher auch unter dem Druck der Versicherungen auf technologische Verbesserungen der Fahrzeuge. Satellitenortungssysteme auch für die Geldbehälter, elektronische und biometrische Verschlüsselungstechnologien seien durchaus geeignet, auch die eigenen Mitarbeiter von der verlockenden Fracht fern zu halten, meint auch Paulick.

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