Blutige Auseinandersetzungen
Fast 500 Tote bei Unruhe in Indien

Bei den tagelangen Unruhen zwischen Hindus und Moslems im Westen Indiens sind nach Behördenangaben bis Sonntag fast 500 Menschen getötet worden. In der Stadt Palampur seien vier Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt worden, in mehreren Dörfern des Bundesstaates Gujarat seien weitere Leichen gefunden worden.

Nach den nächtlingen Ausschreitungen in Palampur blieb es den Angaben zufolge am Sonntag dort weitgehend ruhig. Die Polizei hatte in der Stadt in die Menge geschossen, um sie auseinanderzutreiben. Auslöser der blutigen Auseinandersetzungen war ein Überfall auf einen mit Hindu-Pilgern besetzten Eisenbahnzug mit 58 Toten am Mittwoch gewesen.

Am Samstag noch hatten die Behörden berichtet, die Zahl der Toten betrage 350. Die Ausgangssperre sei in einigen Städten gelockert worden, teilte das Innenministerium Gujarats mit. Die höhere Zahl der Toten am Sonntag sei darauf zurückzuführen, dass erst jetzt die Berichte aus abgelegenen Ortschaften einträfen, sagte der Regierungsbeauftragte für innere Sicherheit.

Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems sind die folgenreichsten seit einem Jahrzehnt. Sie überschritten bislang aber Dank der Polizeipräsenz und massiver Sicherheitsvorkehrungen in den angrenzenden Bundesstaaten nicht die Grenzen Gujarats. Auslöser war der Überfall auf einen Zug mit Hindu-Pilgern gewesen, die von einer Kundgebung des Weltrates der Hindus, VHP, in Ayodhya im Bundesstaat Uttar Pradesh kamen. Dort wollen die Hindus an einer Stelle, die auch den Moslems heilig ist, einen Tempel errichten.

Der Präsident des islamischen Nachbarlandes Pakistan, Pervez Musharraf, verurteilte die Ausschreitungen und appellierte an Indien, die moslemische Minderheit besser zu schützen. Beide Länder liegen im Streit um die zwischen ihnen geteilte Kaschmir-Region, in der überwiegend Moslems leben.

Die über eine Milliarde Inder sind zu 80 % Hindus. Die Moslems bilden mit zwölf Prozent die stärkste religiöse Minderheit.

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