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Blutige Kämpfe begleiten irakische Nationalkonferenz

Ungeachtet der wieder aufgeflammten Gewalt in der Schiitenstadt Nadschaf ist am Sonntag mit der ersten Sitzung der neuen irakischen Nationalversammlung ein weiterer Schritt zur Demokratisierung des Landes getan worden.

dpa BAGDAD. Ungeachtet der wieder aufgeflammten Gewalt in der Schiitenstadt Nadschaf ist am Sonntag mit der ersten Sitzung der neuen irakischen Nationalversammlung ein weiterer Schritt zur Demokratisierung des Landes getan worden.

Vor den mehr als 1000 Delegierten rief Übergangspräsident Ghasi el Jawer die Iraker dazu auf, sich mit aller Kraft für einen Sieg über den Terrorismus einzusetzen. Ohne Sicherheit seien ein Aufbau der Institutionen und die Abhaltung demokratischer Wahlen nicht möglich.

Bei neuen Kämpfen zwischen Anhängern des radikalen Schiitenpredigers Muktada el Sadr und US-Truppen in Nadschaf starben nach Krankenhausangaben drei Iraker. Auch in anderen Teilen des Iraks kam es am Wochenende zu Anschlägen und Gefechten, die Dutzende Menschen das Leben kosteten.

Die Nationalkonferenz begann unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen in der so genannten grünen Zone von Bagdad. Die Delegierten sollen während der dreitägigen Versammlung die Vertreter eines Nationalrates wählen, der bis zu den Ende Januar geplanten freien Wahlen als Übergangsparlament fungieren soll. Trotz einer Ausgangssperre über mehrere Stadtteile schlug eine Serie von Mörsergranaten nahe der grünen Zone ein. Bei einer der Explosionen seien zehn Menschen getötet worden, meldete der Fernsehsender El Arabija. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Kurz nach einer Rede des UN-Gesandten Ashraf Qazi vor der Nationalkonferenz kam es zu einem Zwischenfall, als eine Gruppe von Schiiten lautstark ein Ende der Kämpfe in Nadschaf forderte. Die Versammlung sei daraufhin kurzfristig unterbrochen worden, berichtete der Nachrichtensender CNN. Nach Angaben des arabischen Senders El Dschasira verließen mehr als 100 Teilnehmer die Konferenz unter Protest.

Verhandlungen zwischen El Sadr und der irakischen Regierung waren am Samstag gescheitert. Die Regierung bedauerte das Scheitern, bekräftigte aber zugleich ihre Forderung, El Sadrs Miliz müsse sich auflösen. Der Schiitenprediger sagte nach dem Abbruch der Verhandlungen, die Übergangsregierung sei "schlimmer als Saddam Hussein" und verlangte ihren Rücktritt. Eine Teilnahme an der Nationalkonferenz lehnte er ebenso wie eine sunnitische Vereinigung von Muslimgelehrten ab.

Im Raum Hilla südlich von Bagdad griff El Sadrs "Mahdi-Armee" mehrere Polizeiwachen, ein Regierungsgebäude und das zweitgrößte Gefängnis des Landes an. Nach Berichten von Augenzeugen wurden 500 Gefangene befreit. Aus Krankenhäusern verlautete, 13 Menschen seien getötet worden. Bereits am Samstag war es in Hilla zu Kämpfen zwischen Schiiten-Milizen und Koalitionstruppen gekommen, bei denen nach Angaben der irakischen Polizei 40 Rebellen und drei Polizisten umkamen. Nahe der Stadt Diwanija attackierten Anhänger El Sadrs eine weitere Polizeiwache. Dabei seien fünf Menschen gestorben, hieß es nach Berichten von Polizei und Augenzeugen.

Auch im so genannten sunnitischen Dreieck dauerte die Gewalt am Wochenende an. Bei zwei amerikanischen Luftangriffen auf die Sunniten-Hochburg Falludscha kamen nach Angaben von Ärzten und arabischen Medien mindestens 13 Menschen ums Leben. Bei Kämpfen in Samarra wurden nach Angaben der US-Armee 50 Rebellen getötet.

Im Süden des Iraks starb ein 29 Jahre alter niederländischer Soldat bei einem Überfall. Fünf weitere niederländische Soldaten wurden schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt, teilte das Verteidigungsministerium in Den Haag am Sonntag mit.

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