Blutige Proteste
Prozess gegen Ex-Präsident Suharto geplatzt

Begleitet von blutigen Ausschreitungen ist am Donnerstag der Korruptionsprozess gegen den früheren indonesischen Präsidenten Suharto geplatzt.

dpa JAKARTA. Nachdem unabhängige Ärzte den 79-Jährigen wegen seiner angeschlagenen Gesundheit für prozessunfähig erklärt hatten, stellte das Gericht in der Hauptstadt Jakarta das Verfahren ein. "Die Anklage gegen Suharto kann nicht akzeptiert werden", sagte der Vorsitzende Richter Lalu Mariyun. Die Staatsanwaltschaft kündigte daraufhin umgehend Berufung an.

Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Suhartos vor dem Gerichtsgebäude kam mindestens ein Mensch ums Leben, drei weitere wurden verletzt. Die aufgebrachte Menge setzten überdies einen Bus und ein Polizei-Motorrad in Brand, nachdem der Ex-Präsident zum dritten Mal nicht einer Vorladung des Gerichts gefolgt war. Sicherheitskräfte trieben zunächst die meist jungen Teilnehmer mit Tränengas und Gummigeschossen auseinander. Anschließend zogen die Demonstranten in die Nähe des Hauses Suhartos im Zentrum Jakartas.

"Wie ein Kindergartenkind"

Das 24 Mitglieder starke Mediziner-Team hatte zuvor dem Gericht berichtet, der Ex-Präsident sei nach drei Schlaganfällen nicht in der Lage, komplizierte Fragen zu verstehen. Suharto verständige sich "wie ein Kindergartenkind", berichtete einer der Ärzte. Er brauche bis zu einer Minute, um einfache Nachfragen zu beantworten. "Körperlich und geistig ist Suharto nicht in einem Zustand, dass er vor Gericht erscheinen könnte", befanden die Mediziner. Damit teilten sie die Einschätzung des eigenen Ärztestabes des Ex-Präsidenten.

Die indonesische Generalstaatsanwaltschaft reagierte mit Bestürzung auf die Entscheidung des Bezirksgerichts. "Wir sind sehr, sehr überrascht", sagte Sprecher Yushar Yahya. Die Anklagebehörde wolle auf jeden Fall die nächste Instanz anrufen.

Suharto wird vorgeworfen, in den 32 Jahren seiner Herrschaft mehr als 571 Mill. $ an öffentlichen Mitteln abgezweigt zu haben. Im Mittelpunkt stand veruntreutes Geld aus von Suharto unddessen Kindern kontrollierten sieben Wohltätigkeitsstiftungen. Den Ermittlungen der Behörden zufolge soll er darüber hinaus durch Machtmissbrauch ein persönliches Vermögen von etwa 15 Mrd. $ angehäuft sowie Familienmitgliedern und Freunden die Kontrolle über einträgliche Monopolunternehmen verschafft haben.

Suharto war im Mai 1998 entmachtet worden. Der Ex-Präsident hat die gegen ihn und seine Familie erhobenen Vorwürfe stets bestritten.

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