Blutiges Ende der Geiselnahme
Entführtes russisches Flugzeug in Medina gestürmt

Saudiarabische Sicherheitskräfte haben am Freitag das nach Medina entführte russische Flugzeug gestürmt, um die seit Donnerstag festgehaltenen Geiseln zu befreien.

Reuters MEDINA. Dabei starben drei Menschen, über deren Identität widersprüchliche Angaben gemacht wurden. Ein Mitglied des Ärzteteams am Flughafen teilte mit, es seien drei Entführer getötet worden. Nach russischen Angaben starben ein Entführer, ein Passagier und eine Flugbegleiterin. Im Laufe der Verhandlungen hatten die mutmaßlich tschetschenischen Luftpiraten einige ihrer etwa 170 Geiseln frei gelassen; andere konnten durch die Hecktür fliehen. Die Tupolew 154 war auf dem Flug von Istanbul nach Moskau entführt worden.

Der Arzt in Medina berichtete, unter den drei toten Luftpiraten sei eine Frau. Ein weiterer Entführer sei festgenommen und mehrere Passagiere hätten Verletzungen erlitten. Andere Ärzte hatten inmitten des Durcheinanders auf dem Flughafen mitgeteilt, mindestens drei Passagiere seien bei der Erstürmung getötet worden. Zuvor hatte die Flughafenverwaltung mitgeteilt, Sicherheitskräfte hätten das Flugzeug gestürmt und alle Geiseln befreit. Augenzeugen wiederum berichteten, die Sicherheitskräfte hätten drei Entführer festgenommen. Ein junger Mann sei in Handschellen abgeführt worden, berichteten andere Augenzeugen. Die befreiten Geiseln wurden in Bussen weggebracht.

Verhandlungen per Funkgerät

Die Tupolew war zu einem abgelegenen Teil des Flughafens dirigiert worden. Aus einer offenen Tür wehte während der Verhandlungen die rot-grün-weiße Fahne Tschetscheniens. Die Entführer hatten ein Funkgerät erhalten, über das die Verhandlungen geführt wurden. Die Maschine wurde aufgetankt, um eine Bedingung für die Freilassung aller Frauen, Kinder und alten Männer zu erfüllen. An Bord der Maschine waren beim Start zwölf Besatzungsmitglieder und 162 Passagiere - überwiegend Russen und Türken. Mehr als 40 Menschen wurden vor der Erstürmung freigelassen oder konnte durch die Hecktür des Flugzeuges entkommen. Am Freitagmorgen wurden nach Angaben der Flughafenverwaltung erneut zwei Frauen freigelassen.

Die Fluggesellschaft Wnukowo teilte mit, die Entführer forderten das Ende des russischen Feldzugs in Tschetschenien, dessen moslemische Bevölkerung nach Unabhängigkeit von Russland strebt. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf das Präsidialamt, das Flugzeug sei mit dem Einverständis von Präsident Wladimir Putin gestürmt worden.

Entführer bezeichneten sich als Tschetschenen

Der türkische Verkehrsminister Enis Oksuz sagte im Fernsehen, die Entführer hätten sich selbst als Tschetschenen bezeichnet. Eine tschetschenische Politikerin in Jordanien sagte, der Anführer der Luftpiraten sei der ehemalige General und tschetschenische Innenminister Arzajew Aslambik. Mit der Entführung solle die Weltöffentlichkeit auf die Lage in Tschetschenien aufmerksam gemacht und ein internationales Eingreifen erreicht werden. Die Entführer seien zum Märtyrertod bereit. Nach ihren Angaben wurde Aslambik, der 1998 Innenminister war, im russischen Feldzug gegen die Rebellen verletzt und in der Türkei behandelt.

Tschetschenien hatte nach dem Zerfall der UdSSR den Austritt aus der Russischen Föderation erklärt. 1999 rückten russische Truppen zum zweiten Mal ein, nachdem sie im ersten Tschetschenien-Krieg die Kontrolle nicht hatten erringen können. Tschetschenische Rebellen wiesen jede Verbindung zu der Entführung des Flugzeugs von sich.

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