Bluttransfusion soll sicherer werden
Viren und Bakterien außer Gefecht gesetzt

Spenderblut könnte in Zukunft sicherer werden. Mit einem neuen Verfahren zur Blutreinigung wollen gleich zwei US-Unternehmen die Transfusion sicherer machen. Die roten Blutzellen werden mit Substanzen sterilisiert, die Viren, Parasiten und Bakterien inaktivieren.

hsn DÜSSELDORF. Die neue Technik soll laut einem Bericht des Fachmagazins New Scientist auch jene Viren erfassen, die über das Blut übertragen werden, für die es aber bislang noch keine Screening-Methoden gibt. Derzeit wird das Spenderblut auf eine Reihe von Erregern gescannt.

Die beiden US-Unternehmen Vitex und Cerus haben unabhängig voreinander zwei ähnliche Reinigungstechniken entwickelt. Beide Unternehmen haben Bestandteile entwickelt, die an jeder DNA (Desoxyribonukleinsäure) oder RNA einer Blutprobe haften bleiben. Die Substanzen werden mit dem gespendeten Blut vermischt. Unter ultravioletter Bestrahlung gehen diese dann mit sämtlichen Erbmolekülen eine stabile Verbindung ein, so dass die Botschaften nicht mehr gelesen und auch nicht mehr vervielfältigt werden können.

Rote Blutzellen werden davon nicht beeinträchtigt, da diese keinen Zellkern besitzen und daher von einer DNA oder RNA unabhängig sind. Viren und Bakterien benötigen allerdings Nukleinsäuren zur Replikation (Nachbildung oder Verdopplung der DNA). Die von Vitex entwickelte Substanz Inactine besteht aus einer Familie kleiner Moleküle, die über die Membran in die Zelle und den Proteinmantel der Viren eindringen. Im Inneren werden positiv geladene Moleküle von der negativ geladenen DNA bzw. RNA angezogen. Die Moleküle machen auf chemischem Weg die Nukleinsäuren funktionslos.

Cerus-Verfahren kommt im Herbst

Bereits im Dezember 2000 haben erste Tests gezeigt, dass die Behandlung eine virale bzw. bakterielle Kontamination im Blut um das 10000-Fache reduzierte. Das gereinigte Blut wurde gesunden Probanden ohne Nebenwirkungen verabreicht. Im Juni 2002 genehmigte die europäische Regulationsbehörde die Technik von Cerus für die Verwendung in Kombination mit Blutplättchen, die von Spenderblut zur Transfusion extrahiert wurden. Die Substanz von Cerus (Helinx) bildet Verbindungen zwischen den beiden Strängen der Doppelhelix der DNA bzw. RNA. Dadurch wird die Replikation des genetischen Materials verhindert - die Viren und Bakterien werden inaktiviert.

Im Laufe des nächsten Jahres soll das Blut, das chemisch sterilisiert wurde, mit 520 Transfusionspatienten in US-Klinken getestet werden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA will die anlaufenden Tests streng überwachen. Dabei hält die FDA die Gefahr einer Kontamination mit Viren bei einer Bluttransfusion für gering. Man wolle sicher gehen, dass die neue Behandlung an sich kein Risiko für Patienten darstellt. Vitex-F&E-Vizepräsident John Chapman hofft, dass die FDA den Weg für die Vermarktung der Behandlung 2005 freigibt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%