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BMW entäuscht trotz Quartalergebnisrekord; kein Ausblick für 2005

Während andere deutsche Wettbewerber um ihre Gewinne kämpfen, spurtet der Autobauer BMW noch immer von Rekord zu Rekord. So hat die jüngste Modelloffensive den Münchenern auch im dritten Quartal ein kräftiges Absatz- und Ergebniswachstum und damit einen neuen Höchststand verschafft.

dpa-afx MÜNCHEN. Während andere deutsche Wettbewerber um ihre Gewinne kämpfen, spurtet der Autobauer BMW noch immer von Rekord zu Rekord. So hat die jüngste Modelloffensive den Münchenern auch im dritten Quartal ein kräftiges Absatz- und Ergebniswachstum und damit einen neuen Höchststand verschafft. Dennoch enttäuschte am Mittwoch BMW die Analysten, deren Erwartungen für das dritte Quartal höher gelegen hatten.

Der Konzern bestätigte seine Jahres-Prognose. "Das Unternehmen wird damit im Jahr 2004 neue Höchstwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis verzeichnen", bekräftigte Unternehmenschef Helmut Panke bei einer Telefonkonferenz. Panke hielt sich allerdings weiterhin standhaft mit einem Ausblick auf das kommende Jahr zurück. An der Börse rutschte die Aktie zuletzt um 2,49 Prozent auf 32,96 Euro.

Quartalsergebnis

Von Juli bis September kletterte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 724 Mill. Euro im Vorjahr auf nunmehr 779 Mill. Euro. Unter dem Strich blieb BMW ein Überschuss von 479 Mill. Euro nach 445 Mill. Euro im vergangenen Jahr. Der Umsatz kletterte von 9,98 auf 10,611 Mrd. Euro. Die von dpa-AFX befragten Analysten hatten allerdings mit mehr gerechnet. Sie hatten beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im Durchschnitt 822 Mill. Euro, beim Überschuss knapp 503 Mill. Euro und beim Umsatz 10,943 Mrd. Euro erwartet.

Finanzvorstand Stefan Krause begründete die Diskrepanz mit von den Experten schwer zu berechnenden Posten wie der Marktbewertung von Optionen auf eine Rolls-Royce-Anleihe sowie regelmäßig anfallenden Zwischengewinn-Eleminierungen bei der Konsolidierung von Finanz- und Autosparte. Aus diesen beiden Faktoren resultierten in diesem Jahr im Wesentlichen die Belastungen. Die Abschreibungen auf Sachanlagen seien von Juli bis September von 407 auf 520 Mill. Euro gestiegen.

Automobilsparte - Oktoberabsatz

Den Löwenanteil am Ergebnisplus steuerte der Geschäftsbereich Automobile bei. Umsatz und Gewinn wuchsen dabei dank der Verkaufs höherwertiger Fahrzeuge stärker als der Absatz. So kletterte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im dritten Quartal von 570 Mill. Euro im Vorjahr auf nunmehr 694 Mill. Euro. Rote Zahlen - minus 13 Mill. nach minus 15 Mill. Euro - schreibt der Konzern noch immer im Motorradgeschäft. Der Bereich Finanzdienstleistungen verbesserte sich operativ von 120 auf 141 Mill. Euro.

Seinen Erfolg im dritten Quartal verdankte der Konzern einem robusten Absatzwachstum. So war der Absatz im dritten Quartal um 9,6 Prozent auf 296 310 Fahrzeuge gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen steigerte die BMW Group unterdessen im Oktober zum Auftakt des Schlussquartals ihren weltweiten Absatz um etwa zehn Prozent. Damit hat sich der Gruppenabsatz im Vergleich zum September (+15,1%) wieder leicht abgeschwächt. In den ersten zehn Monaten ergibt sich somit ein Plus von etwa 8,8 Prozent, wie Panke sagte. Die endgültigen Zahlen will der Konzern voraussichtlich in der kommenden Woche präsentieren. Panke bekräftigte, dass der Absatz in diesem Jahr im hohen einstelligen Bereich steigen soll.

US-Geschäft

In den USA legte die Kernmarke BMW im vergangenen Monat laut Panke um etwa 15 Prozent und die Mini um etwa 3,2 Prozent zu. Panke widersprach Vermutungen, das Geschäft in den USA könne sich abschwächen. "Ich sehe da in den USA grundsätzlich keine Veränderung und kein Abflachen." BMW wolle den "Schwung in den USA mitnehmen". Die US-Absatzzahlen werden an diesem Mittwochabend vorgelegt. Auch das im dritten Quartal verlangsamte Absatzwachstum in China wollte Panke nicht überbewertet wissen. Er gehe für das kommende Jahr wieder von einem kräftigen Wachstum aus, betonte der Manager.

Der Absatzschub stützt sich vor allem auf die jüngste Modelloffensive des Konzerns. Nach dem gut im Markt angekommenen X3, dem 6er, dem 6er Cabrio und dem 5er Touring im ersten Halbjahr hatten die Münchener im dritten Quartal den neuen 1er und das Mini Cabrio auf den Markt gebracht. Der 1er, das erste Kompaktmodell aus dem Hause BMW seit Ende der 60er Jahre, kommt bei den Kunden nach Unternehmensangaben gut an. So seien seit dem Marktstart am 18. September bis Ende Oktober über 15 600 Fahrzeuge abgesetzt worden. "Weitere 20 000 werden noch in den letzten beiden Monaten hinzukommen", prophezeite Panke. Damit dürfte der Konzern sein Absatzziel für den 1er in diesem Jahr erreichen. Im kommenden Jahr will BMW 100 000 1er absetzen, Beobachter halten dieses Ziel jedoch für zu gering angesetzt.

Währungssicherung

Zur von den Analysten derzeit heiß behandelten Frage nach der Währungsabsicherung bleiben Panke und Krause weiterhin schweigsam. Im laufenden Jahr sei BMW in den wichtigsten Währungen voll abgesichert, bestätigte Krause frühere Äußerungen. Für das kommende Jahr ist der Konzern aktuell noch zu einem Drittel abgesichert. Eine neue Quote soll aber festgelegt werden, sagte Krause, ohne einen genauen Zeithorizont zu nennen. Vermutungen, BMW könne auf die Erstarkung des Euro mit deutlichen Produktionsverlagerungen in sein US-Werk in Spartanburg reagieren, erteilte Panke eine Absage.

Mit konkreten Absatz- und Ergebniserwartungen für das Gesamtjahr hielt sich Panke mit Blick auf die anstehende Budgetplanung zurück. "Wir sind mit unseren Modellen gut aufgestellt", betonte der Unternehmenslenker lediglich. Ähnliche Kostensenkungspläne wie bei den Mitbewerbern Volkswagen und der GM-Tochter Opel scheinen unterdessen auf die BMW-Mitarbeiter nicht zuzukommen. Gleichwohl betonte Panke, dass BMW konsequent seine Kosten überprüfe. Auf diesem Weg werde BMW "weitergehen".

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